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SchleimiSchleimi

 

 Kobold Schleimi erzählt Geschichte und Geschichten aus Pforze:

 

 

 

1749 das letzte Schülerfest auf dem Rennfeld

 

Hurra! Heute ist Pfingsten und ich hoffe, dass der Heilige Geist mit seiner Erleuchtung mit ein paar Strahlen auch den banzigen Schleimi trifft!

Heute vor 271 Jahren fand an Pfingsten 1749 das letzte Schülerfest auf dem Rennfeld statt.

Der Festtag begann um 9.00 mit einem feierlichen Gottesdienst in der Stadtkirche für 250 Schüler der Volksschule. Danach stellte man sich zu einer feierlichen Prozession auf. An der Spitze der Bürgermeister mit seinen Magistraten und den Lehrern.Mit Musik und Gesang marschierte man zum Rennfeld. Dort hatten Eltern, Sponsoren und Gastwirte leckere Speisen und Getränke aufgebaut. Es folgten ein paar mehr oder weniger langweilige Ansprachen ( Ihr kennt das )

Endlich kam man zum wichtigen Punkt. Die fleißigen Schüler wurden belobigt und alle bekamen Geschenke.

Neben Süßigkeiten, gab es Federkiele und Papier.

Dann wurden die Schulkinder zum Spiel entlassen.

Während die Erwachsenen schmausten, ertönte ausgelassenes Kindergeschrei.War doch das Schuljahr zu Ende und begann erst wieder im November.

Auch die Armen bekamen Brot und Wein!

Kurzum alle Menschen verbrachten einen herrlichen Tag.

Alle? Nein! Schleimi schaute missmutig. Dem hatte man nämlich mit Riemen eine Tafel auf dem Rücken befestigt.

Darauf war ein Esel zu sehen. Er war mit Abstand der faulste Schüler! Also grummelte er " Das sind alles haltlose Unterstellungen! Ich bin klein, mein Herz ist rein, da passen noch ein paar Schneckennudeln rein!"

Schon im Jahr 1683 wurden 3 solcher Esels-Tafeln angeschafft. In der Schule gab es sogar die Eselmütze, die man heute noch im Stadtmuseum sehen kann.

1699 besuchten lediglich 200 Kinder die Volksschule. Und das bei 1700 Einwohnern.

Schulfächer waren Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten.

Dazu mussten die Schulkinder Bibelsprüche, Psalmen, Choral singen und den Katechismus auswendig lernen.

Kein Wunder schwänzten viele Kinder die Schule und halfen lieber in der Landwirtschaft der Eltern aus.

 

RennfeldRennfeld

 

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Segen und Fluch

Pforzheim lag ja strategisch günstig an den alten Handelsstraßen von der Schweiz und Italien nach Frankreich. Auch die Nordachse über Frankfurt konnte bedient werden. Das war natürlich wirtschaftlich ein Segen. Viele Händler mit ihren Waren nahmen den Weg über Pforzheim und bescherten der Stadt schon immer einen bescheidenen Wohlstand.

Nur durch die einmalige Lage unserer Heimatstadt war es möglich, diese nach all den Zerstörungen immer wieder aufzubauen.

Denn wir waren bei jedem Krieg immer die Leidtragenden.Im günstigsten Fall wurden die durchziehenden Soldaten nur einquartiert und mussten dann natürlich auch verpflegt werden.

So war es zum Beispiel auch beim polnischen Krieg 1734.Pforzheim war mal wieder Quartierstadt und wäre eigentlich glimpflich davongekommen, wenn die fremden Soldaten nicht das Faulfieber mitgebracht hätten.Da die Soldaten häufig privat einquartiert waren, blieb es nicht aus, dass sich die Seuche verbreitete. Pforzheim hatte 1734 4000 Einwohner und es gab 500 Pforzheimer die dem Faulfieber ( Typhus ) erlagen.Da gab es in jeder Familie Tote zu beklagen.

Der kleine Brunnen auf dem Foto steht heute im Blumenhof.Der kleine Brunnen auf dem Foto steht heute im Blumenhof.

Auch 1806 brachten die russischen Kriegsgefangenen den Typhus mit.Da wir zu diesem Zeitpunkt noch kein Krankenenhaus hatten, brachte man Napoleons Gefangene in die Schloßkirche.Bisher hatte man lediglich eine kleine Krankenstube auf dem Waisenhausplatz.

( mein Foto zeigt das Untere Bad.)

Doktor Roller konnte den Stadtrat überzeugen, dass die erkrankte Bevölkerung in Baracken beim Buckenberg isoliert wurden. Sein Großvater hatte schon 1734 gegen den Typhus gekämpft. Trotzdem starben 200 Pforzheimer.Die russischen Kriegsgefangenen hingegen starben wie die Fliegen und wurden nach ihrer Sitte nachts, nackt auf einer Bahre unter Fackelschein zum Altenstädter Friedhof getragen und dort in einem Massengrab beerdigt.Das auf Drängen von Dr. Roller aufgestellte Russenkreuz soll an das furchtbare Leid erinnern und steht noch heute im Oststadtpark.

Am 23. Juni 1814 war endlich das Ende der Kampfhandlungen und mit einer Truppenschau am Ispringer Pfad wurden die 8000 badischen Soldaten in ihre Heimatstädte entlassen.

Kam Pforzheim jetzt endlich zur ersehnten Ruhe? Nein. Der nächste Schicksalsschlag wartete schon.

Im April 1815 brach im Indischen Ozean der Vulkan Tambora aus und sorgte für eine weltweite Klimakatastrophe.Eine gigantische Wolkendecke verdeckte 1816 ganz Frankreich, Deutschland und die Schweiz.Kein Sonnenstrahl konnte durch die Wolken dringen. Es gab keine Ernte und die Getreidepreise stiegen ins gigantische. Für ein kleines Laibchen Brot musste man einen Wochenlohn bezahlen.Die Stadtoberen in Pforzheim reagierten unverzüglich. Privat durfte nicht mehr gebacken werden. Nur noch im Waisenhaus. Dort wurde auch das rationierte Brot ausgegeben. Es war die letzte europaweite Hungersnot.Zuerst wurde das Vieh und die Pferde geschlachtet. Danach die Katzen und Hunde. Am Ende gab es Ratten-Gras-Eintopf. Auf der schwäbischen Alb wurden zuerst die Alten und die Kleinkinder dem Hungertod preisgegeben.Was da aus lauter Verzweiflung im Kochtopf landete will ich gar nicht wissen!

In dieser Not hatte der badische Karl von Drais ( sein Vater war Haushofmeister beim badischen Erzherzog ) eine geniale Idee. Pferde und Zugtiere wurden ja permanent entweder für den Krieg requiriert oder fielen in Notzeiten dem Hunger zum Opfer. Man müsste eine Maschine erfinden, mit der man durch menschliche Antriebskraft mobil sein konnte. Und so erfand er das Laufrad. Der Vorgänger von unserem Fahrrad. Eine geniale Erfindung, die in größter Not geboren wurde.

 

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Die österreichische Kaisertochter und Erzherzogin Marie Luise zu Gast in Pforzheim

 

Am 21. März 1810 war mal wieder großer Umtrieb in der Stadt Pforzheim. Es galt einen hohen Gast zu begrüßen. Die österreichische Kaisertochter und Erzherzogin Marie Luise.Die sollte nämlich Napoleon Bonaparte heiraten. Auf dem Weg nach Paris war ein Zwischenstopp im Pforzheimer Hotel Post eingeplant. Ihr wisst schon. Ein kleiner Snack, Besuch im Ort der Heimlichkeiten und ein wenig frisch machen.Schon seit den frühen Morgenstunden war die Bevölkerung auf den Beinen um der Prinzessin zuzujubeln. Die Straßen waren merkwürdig sauber, festlich geschmückt und überall sah man Galakleidung und Ehrenuniformen.Und natürlich sah man jede Menge Frauen. Die verteidigten ihren Stehplatz vor der Posthalterei vehement und energisch. Wann sah man schon einmal eine leibhaftige Prinzessin und bald die Frau des mächtigsten Mannes auf der Welt! Als dann Kanonendonner und Kirchengeläut ertönte, stieg die Spannung ins Unermessliche,Zuerst kam die Ehrengarde der französischen Reiter und danach die lange Reihe der Reisewagen. Im ersten Reisewagen saß die Prinzessin mit ihren engsten Hofdamen. Es folgten unendlich viele Gepäckwagen mit der fürstlichen Aussteuer. Die erwartungsvolle Menschenmenge raunte aaaah und ooooh, aber die Prinzessin stieg aus der Kutsche und verschwand schnell ohne zu winken in der Posthalterei.Die Frauenwelt war bitter enttäuscht und manch Ausruf " So eine arrogante Pute" erklang.Auch die Bevölkerung von Niefern war beleidigt.Sie hatten an der Grenze zum württembergischen Königreich eine schöne Thrimpfpforte gebaut, aber auch diese durchfuhr die Kaisertochter ungerührt.

Frauenkenner Schleimi erklärt es so.Die junge Marie Luise war gerade mal 19 Jahre jung. Für sie war Napoleon der Feind und Antichrist schlechthin.Sie hatte sogar eine Napoleon-Puppe, die sie eifrig malträtierte.Jetzt wurde sie von Napoleon zu dieser Zwangsheirat genötigt.Dabei war sie doch in den Erzherzog von Modena verliebt. Aber die Staatsraison geht vor und Kaiser Franz musste schweren Herzens seine Tochter dem verhassten Feind geben. Klar hatte da die Prinzessin keine Lust Kusshände unter dem Volk zu verteilen. Fuhr sie doch einem unsicheren Schicksal entgegen.

Schon 1811 gebar sie Napoleon einen Sohn und konnte nach Napoleons Untergang 1814 nach Wien in das Schloss Schönbrunn zurückkehren.

1810 war Napoleon der mächtigste Mann der Welt. Nur Russland und England wehrten sich tapfer. Weil er die Seemacht England nicht angreifen konnte, entschloss er sich zum Russlandfeldzug, der seinen Untergang einläutete. Vorher verhängte er jedoch gegen England eine Kontinentalsperre. Das heißt, es konnten keine Waren exportiert oder importiert werden.

Dies war für die Pforzheimer Schmuckindustrie ein harter Schlag.Von ehemals über 30 blühenden Betrieben konnten gerade mal 13 Betriebe sich mit Müh und Not über Wasser halten.So herrschte 1812 wieder einmal bittere Not und Elend in Pforzheim. Man war ja in Pforzheim Raub, Brandschatzung und Vergewaltigung von den Franzosen unter Männern wie Melac gewohnt, aber dieses wirtschaftliche Elend war eine neue Form der Grausamkeit. Nicht nur die Pforzheimer hegten in ihrem Herzen einen bitteren Groll gegen die Franzosen und Napoleon.Da war der Sieg 1871 gegen Erzfeind Frankreich Balsam auf der geschundenen Seele.Wenn wir diese Tatsachen betrachten, können wir vielleicht unsere Vorfahren ein wenig besser verstehen.Auch wenn jeder Krieg ein Verbrechen gegen die Menschheit ist.

 

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Schleimi und das Kriegerdenkmal

 

Kriegerdenkmal MarktplatzKriegerdenkmal Marktplatz

He Schleimi! Was weißt Du eigentlich über das Kriegerdenkmal am Marktplatz?

Schleimi ist wie immer ein Quell der Erleuchtung.

Das Kriegerdenkmal heißt Kriegerdenkmal, weil ein Krieger auf einem Sockel steht.Da brauchst Du gar nicht so bommelig zu lachen! Auf dem Sockel stand ganz schlicht " Unseren Helden von 1870/71 " Auf der Sockelrückseite war eine Widmung vom Heimatdichter Ludwig Auerbach und die Ortsnamen der Schlachten, in denen sich die badischen Truppen erfolgreich hervorgetan haben. Also Straßburg, Nuits, Dijon und Belfort.

Der germanische Krieger blickt mit grimmigen Gesicht Richtung Westen nach Frankreich.Ursprünglich hätte ich für den Krieger Modell stehen sollen, aber Professor Moeß aus Karlsruhe behauptete, eine Kriegerfigur mit einer Schneckennudel in der Hand würde den künstlerischen Eindruck stören.Nun ja, schlussendlich wurde die Figur in Nürnberg gegossen und nach Pforzheim gebracht.Leider wurde ein Vorschlag verworfen. Der verwegene Germane sollte nämlich auf dem Marktplatz einen plätschernden Brunnen krönen. Aber man hatte ja kurz zuvor den Markgrafen-Brunnen schon an den Leo verbannt.Also entschied man sich für einen Sockel. Schade.

Jetzt muss man rückblickend sagen, dass so ein Kriegerdenkmal mitten auf dem Marktplatz ein wenig befremdlich wirkt. Es sollte ja für die Ewigkeit dort stehen. Dazu muss man verstehen, dass der gewonnene Krieg gegen Erzfeind Frankreich und das neugegründete Deutsche Reich mit Kaiser Wilhelm eine unglaubliche Euphorie auslöste. Endlich waren die vielen Kleinstaaten vereint und man wollte aus Deutschland eine Wirtschatskraft machen.Und das Kriegerdenkmal verkörperte diese

Kriegerdenkmal MarktplatzKriegerdenkmal Marktplatz

Hoffnungen, Darum wurde es an zentraler Stelle und exponiert aufgestellt.

Im Jahr 1873 wurde ein Komitee gebildet und eine Sammlung veranstaltet, um das Denkmal zu finanzieren.Wohl gemerkt. Das waren private Spenden! Die Stadt hatte mal wieder kein Geld für solche Vorhaben!

Aber erst am 18.Mai 1879 konnte der Germanenkrieger mit einem Festzug und allerhand Reden eingeweiht werden. Der offizielle Festakt wurde danach im Schwarzen Adler ausgiebig begossen. Das niedere Volk zog singend und jubelnd zum Turnplatz in die improvisierte Turnhalle und ließ es ordentlich krachen.

 

Und was geschah nun mit unserem grimmigen Germanenkrieger? Nun 1926 war die anfängliche Euphorie verflogen und der 1. Weltkrieg verloren. Weil der Schrumpelgermane der Straßenbahn im Weg stand, verfrachtete man den armen Kerl kurzerhand in den Benckiser Park. Dort stand er zwischen den Blumenrabatten etwas deplaziert herum. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Im 2.Weltkrieg wurde er geopfert und man stellte Granaten aus ihm her. Nun ja, wenn man überlegt, dass man in dieser traurigen Zeit auch Kirchenglocken eingeschmolzen hat, muss man anmerken, dass unser stolzer Germane zumindest seine kriegerische Existenz im Krieg beendet hat.

Die ersten beiden Fotos zeigen unseren Germanen auf dem Marktplatz. Foto 3 und 4 wurden im Benckiser Park gemacht.

Sollte Euch dieser kleine Beitrag zu flapsig erscheinen,kann ich es nicht ändern. Ich schreibe lediglich nieder, was mir der zeitreisende Kobold Schleimi erzählt.

 

 

 

 

 

Kriegerdenkmal Benckiser ParkKriegerdenkmal Benckiser Park

Kriegerdenkmal Benckiser ParkKriegerdenkmal Benckiser Park

 

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Schleimi erinnert sich !

 

Hier habe ich ein begehrtes Sammlerstück. Ein Brot-Etui der Pforzheimer Firma Ernst Keller. Es soll uns daran erinnern, wie knapp die Grund-Lebensmittel schon im Jahr 1915 waren. hundert Jahre vorher. Am 11. April 1815 brach auf der Insel Sumbawa ( Sunda-Inseln in Indonesien ) der Vulkan Tambora aus.Die Folge war eine weltweite Klimakatastrophe. Indien wurde überschwemmt. In China waren alle Felder unter Wasser. die Ernte fiel komplett aus und es starben Millionen an Hunger und Cholera. Über Pakistan breitete sich die Cholera auch im Westen aus. Ca. 12% der Menschen starben daran. die Temperaturen sanken im Durchschnitt um 10 Grad. Im Mai und Juni lagen in Amerika 15 Zentimeter Schnee! Am härtesten traf die Klimakatastrophe Süddeutschland und die Schweiz. Monatelang permanenter Regen, Hagelschauer, Orkane. 1816 war das Jahr ohne Sommer und ohne Brot! Ein einfacher Arbeiter musste 5 Tage lang für einen Laib Brot arbeiten. Millionen verhungerten. Es war die letzte große Hungersnot in Europa. Aber sie machte auch erfinderisch, wie ich demnächst mit der Unterstützung von Schelmi und Schleimi beweisen werde.Die Beiden haben mir so manche unglaubliche Geschichte aus dieser Zeit erzählt. Zurück zu meinem Brot-Etui. 1915 war das zweite Jahr im ersten Weltkrieg und natürlich wurden die Ressourcen knapp. Da solltee das Etui daran erinnern, dass es noch schlimmer kommen kann. Vielleicht wäre es nicht schlecht in der heutigen Zeit so ein Brot-Mahn-Etui wieder herzustellen. Darüber sollten wir bei Gelegenheit nachdenken.

Bemerkung von Schelmi " Angefangen hat eigentlich alles damit, dass so ein kleiner Vulkan am Arsch der Welt ausgebrochen ist. Das könnte heute jederzeit wieder passieren!"

 

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Schleimi berichtet über die alten Stadtteile im Norden der Stadt

Teil 1

GüterstraßeGüterstraße

Der Einstieg fällt mir ungewöhnlich schwer, denn Schleimi plappert ohne Punkt und Komma. Da ist es ziemlich schwer einen Anfang zu finden.Ich fange einfach mal an und dann sehen wir, was dabei herauskommt.

Das Gebiet nördlich der Bahnlinie wurde früher einfach " Hinter den Zäunen " genannt.Dort hatten die Pforzheimer ihre Gärten.Vom Hachel herunter führte ein Hohlweg, dessen Fortsetzung die spätereLindenstraße war.Dann gab es noch die Brettener Straße, die logischerweise nach Bretten führte. Von ihr ging der Vincinalweg ( die spätere Zähringer Allee ab.) Vom Vincinalweg zweigte der Hohlweg ( die spätere Bernhardstraße ) nach Eisingen ab. Also beim Cafe am Tor und Felsenkeller vorbei. Wo sich heute die Ebersteinstraße befindet, war ein enger Trampelpfad, der zum heutigen Zähringer Löwen führte und in den Vincinalweg mündete.Natürlich gab es auch noch die Güterstraße beim Württembergischen Güterbahnhof. Hier entstanden mit die ersten neuen Mietshäuser. Darunter auch die Gastwirtschaft " Mürrle Glashalle" mit großen Sälen für Feiern und Versammlungen jeglicher Art..Später bekannt unter dem Namen "Gasthaus Victoria" Doch kommen wir nochmal auf die Brettener Straße zurück.Die führte schnurgerade und steil vom zukünftigen Hotel Hasenmayer hinab.Linker Hand gab es nur Weinberberge ( später Obere- und Untere Wingertweg) Dieser Weg hinab ins Tal war bei den Fuhrleuten gefürchtet.Wenn da der Karren ins Rutschen kam, konnte man nur noch beten. Aber im Winter war es eine beliebte Schlittenbahn und alljährlich brachen sich die Wagemutigen ein paar Knochen. Endlich entschloß man sich zum Bau einer Kreisstraße. Der heutigen Heinrich Wieland Allee.Nun waren endgültig die Voraussetzungen für eine intensive Besiedlung " Hinter den Zäunen" geschaffen. Und jetzt ging es ratzfatz. Die Nordstadt und der Wartberg explodierten geradezu.

Mit Explosionen und Spekulationen und der Gemarkung Schanz hat mein Teil 2 zu tun.Achja, wir schreiben über die Jahre 1870-1875.

Ich gebe zu, dass mein Teil 1 der Schleimi-Erzählung ein wenig schwierig ist, aber nur so kann man sich vielleicht die Gegend der kommenden Geschichten ein wenig im Geist vorstellen.Und ich gelobe feierlich.

" Ab jetzt wird es einfacher und leichter zu lesen.Und natürlich habe ich auch mehr Bildmaterial."

GüterstraßeGüterstraße

 

 

Teil 2

 

Luitgartstraße Foto von 1931Luitgartstraße Foto von 1931

 

 Die Luitgardstraße hieß eigentlich ursprünglich Schützensträßle.Öffne deine Ohren und lausche den Perlen meiner Weisheit. 1863 mussten wegen dem steigenden Verkehr die Schützengesellschaft ihr Schützenhaus in der Bleichstraße ( Schießhausstraße ) aufgeben.Zum Glück gab es aber auf der Schanz genügend freies Gelände und so baute man kurz entschlossen eine neue, ausgedehnte Schießanlage mit Kugelfängen auf der Schanz. Bei der Einweihung sagte der Vorstand " Was wir hier geschaffen haben, soll auch zum Nutzen unserer Nachkommen dienen!" Nun ja, da hatte er recht! Denn sie pflanzten die vielen Kastanienbäume unterhalb vom Friedhof und die dienen heute noch unseren Kindern.Doch die neue Schießanlage von 1863 hatte keine rosige Zukunft. 

 1875 kaufte ein Immobilienspekulant namens Hildenbrand Gelände am Hachelgebiet und stellte die uns bekannten 5 Hachelhäuser hin.Aber er war seiner Zeit weit voraus. Nach dem Frankreichkrieg 1871 und dem neu erstandenen Deutschen Reich wurde erstmal die Kaiser Wilhelm Straße, Bismarckstraße, Roonstraße und fie Blumentalstraße gebaut und besiedelt. Und so standen die 5 Häuser noch lange einsam in der Gartenlandschaft.Eigentlich tolle Wohnbedingungen ( wie der Opa von Wolfgang Trautz bestätigen könnte ) Wenn, ja wenn da nicht die Pforzheimer Schützengesellschaft gewesen wäre. Die Jungs ballerten nämlich wild in der Gegend herum und des öfteren verirrten sich Querschläger in die Nähe der Häuser. Das ging natürlich nicht und so wurde die Schützengesellschaft von der Schanz verbannt.Nach fast 20 Jahren fanden sie 1905 auf dem Rod eine neue Heimat. Aber auch von dort wurden die Ballermänner verbannt. Und zwar in ihre vorerst endgültige Heimat an der Wurmberger Straße.Übrigens sind unsere Pforzheimer Schützen mittlerweile sehr treffsicher und heimsen auch bei internationalen Wettbewerben ihre Medaillen ein.

Links die Emil Strauß Straße und HachelhäuserLinks die Emil Strauß Straße und Hachelhäuser

 

Kaiser Wilhelm, Bismarckstraße und rechts oben vier der Hachelhäuser. Foto von 1931Kaiser Wilhelm, Bismarckstraße und rechts oben vier der Hachelhäuser. Foto von 1931

Dieser Beitrag von Schleimi war wie versprochen kurzweilig und mir hat besonders gut die Stelle mit den Kastanienbäumen gefallen. Im 3. Teil will der banzige Schleimi erzählen, wie die TGS Pforzheim am Hachel entstanden ist und von Bandenkriegen mit Tomaten- und Bohnenstangen erzählen.

 

Teil 3

 

Der Hachelhang mit Blick auf die Stadt.Der Hachelhang mit Blick auf die Stadt.

Die Besiedlung am Hachel machte große Fortschritte. Natürlich gab es noch den kargen Hachelhang und die entlegenen Gärten. Aber die waren so ein Problem.Die Hachelbewohner stammten meistens aus der Arbeiterklasse und die hatten viele Kinder.Wenn jetzt so ein Innen-Stadtbewohner seinen gekauften Garten hegte und pflegte ( das war bei dem steinigen, unfruchtbaren Boden gar nicht so leicht ) hatte er automatisch immer viele ungebetenen Mitesser. Die Kirschen aus Nachbars Garten schmecken halt immer gut! Man konnte seinen kleinen Obst- und Gemüsegarten ja nicht Tag und Nacht bewachen. Die Arbeiterfamilien waren arm, kinderreich und über jede Ergänzung im Speiseplan froh. Der Heimatkundler Oskar Trost beschreibt das in etwa so. Sein Opa war im Garten, als eine Mutter mit ihren 5 Plagen auf den Garten zuging. Alle hatten entweder Spankörble oder andere, geeignete Behältnisse dabei. Als die Mutter den Opa erblickte, sagte sie hurtig und verlegen " So Kinder, jetzt erzähle ich Euch die Geschichte vom Rotkäppchen." Doch ihr Kleinster greinte " Aber Mama, Du hast uns doch Hansträuble versprochen. Und guck! Die sind doch schon richtig reif!" Wie gesagt. An freiwilligen Erntehelfern mangelte es in den Hachelgärten nicht .Doch eine andere Begleiterscheinung der vielen Kinder und unbeschäftigten Jugendlichen gab Grund zur Besorgnis.Tagsüber war der Hachel ein ideales Spielparadies für Kinder aus Brötzingen, dem Wartberg und der Durlacher Straße. Da wurde eifrig Räuber und Gendarm gespielt. Aber sobald die Dämmerung hereinbrach, übernahmen die Jugendlichen das Kommando. Da wurde mit den aus den Gärten gemopsten Bohnenstangen fast richtige Schlachten ausgetragen, bei denen es wiederholt zu Verletzungen kam. Das altbekannte Problem. Jugendliche ohne Aufgabe, in ihrer Sturm und Drangzeit, dazu jede Menge Blödsinn im Kopf.Was tun?

Das Vereinsheim der TG 88 wird im Schlupf ( Wilferdinger Höhe ) gebaut.Das Vereinsheim der TG 88 wird im Schlupf ( Wilferdinger Höhe ) gebaut.

Die Alten beratschlagten und schnell war klar. Die Jugendlichen brauchen eine Aufgabe, ein Ziel und sollen dabei ihre überschüssige Kraft sinnvoll einsetzen.Also wurden neben dem bestehendenTV 1834 ( hauptsächlich Akademiker ) Arbeitersportvereine gegründet. Brötzingen machte 1880 den Anfang, Es folgte die TG 88 im Schlupf und ab 1895 gehörte der Hachel der TGS Pforzheim.Die Vereinsgründungen waren ein voller Erfolg. Am Beispiel der TGS will ich Euch das mal verklickern.In der Gaststätte Petersburg trafen sich seit Jahren die Arbeiter zum geselligen Beisammensein und zur Liederstunde. Als jetzt ein Verein mit Sportabteilung gegründet wurde, kamen allein in den ersten 2 Jahren über 200 Sportler dazu. Die Jugendlichen waren beschäftigt, hatten eine Aufgabe und konnten sich im sportlichen Wettkampf mit den anderen Stadtteilen messen.Eine tolle Sache, schon recht schnell begeisterten sich auch die Frauen an der Freizeitbeschäftigung Sport.Anfangs nur die emanzipierten Arbeiterfrauen, aber wie ein Flächenbrand war diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Die TGS Pforzheim hatte zum Beispiel 1920 schon eine erfolgreiche Damen-Handballmannschaft und eine meiner Großtanten war ein begnadetes Talent.Wahrscheinlich hat sie mir die Leidenschaft für den Handballsport vererbt.

Die ehrwürdigen Gründerväter des TV Brötzingen 1880Die ehrwürdigen Gründerväter des TV Brötzingen 1880

 

Die TGS Pforzheim-Sportler bei einer " Strandparty" auf dem Hachel.Die TGS Pforzheim-Sportler bei einer " Strandparty" auf dem Hachel.

 

Die Handball-Damen der TGSDie Handball-Damen der TGS

 

Brötzinger Turnplatz 1930Brötzinger Turnplatz 1930

Am Ende von Schleimis Erzählung möchte ich hinzufügen, dass der Bau der Vereinsheime in Eigeniniative geschah und wie heute ohne Ehrenamtliche nicht möglich gewesen wäre.

Die Erklärung der Fotos werde ich zu den Bildern schreiben. Mit einem "frisch, fromm, fröhlich,frei" wünsche ich Euch einen schönen Freitag und vielleicht ein sportliches Wochenende.

 

Teil 4

NordstadtNordstadt

Der Hachel wird Naherholungsgebiet!

Auf der Karte im Eingangsbild sieht man, dass wir noch sehr viele unbebaute Straßen in der Nordstadt hatten. Doch das sollte sich ändern. Die jugendlichen Rabauken tobten sich in den Sportvereinen aus und so wurde aus dem nördlichen Hachel eine friedliche, stille Gegend mit einem herrlichen Blick über die Stadt.

 

 

 

 

 

Der Pforzheimer Verschönerungsverein stellte 1904 das Hachel-Türmle fertig und der Kutscherweg wurde 1913 in Panoramastraße umbenannt.

Hier sieht man gut, wie karg und steinig der Hachel war.Hier sieht man gut, wie karg und steinig der Hachel war.

 

HachelturmHachelturm

 

HachelturmHachelturm

 

HachelturmHachelturm

 

Die Mädels der Höheren Tochterschule beim Ringelreihe auf der Maiwiese am Hachel.Die Mädels der Höheren Tochterschule beim Ringelreihe auf der Maiwiese am Hachel.

Die Privat-Vorschulen Winther und Schifferdecker, aber auch das Höhere Töchterinstitut machte seine Kurz-Ausflüge in die luftige Höhe und die Hachelwiese wurde offiziell zur Maiwiese ( neben dem Seehaus ) erklärt. Das war ein Kinder- und Familienparadies und am Abend konnte man sich sogar ungestört beim romantischen Knutschbänkle treffen.

Schleimine wartet am Hachel-Knutschbänkle voller Vorfreude auf den banzigen Schleimi.Schleimine wartet am Hachel-Knutschbänkle voller Vorfreude auf den banzigen Schleimi.

 

Bär Moritz kriegt ein LeckerliBär Moritz kriegt ein Leckerli

Und wenn die Kinder quengelig waren, konnten sie im Zoo gegenüber vom Hachelturm auf dem Kamel Max reiten. Der Zoo hatte viele exotische, aber auch heimische Tiere.Diese geniale Idee hatte der Unternehmer Kern und es war ein kleiner, perfekter Wildpark. Leider kam der 1. Weltkrieg mit den harten Hungerjahren und so musste dieser Privat-Zoo geschlossen werden. Aber es gibt eine Anekdote über den Bären Moritz. Als dieser im Käfig beim Güterbahnhof angeliefert wurde, konnte er ausbüchsen.Ziellos streifte er durch die Nordstadt und wurde schließlich bei der Firma Wolff in der Hohenzollernstraße hinter ein paar Holzkisten entdeckt. Das arme Tier war wegen der fremden Umgebung verschreckt und zitterte an ganzen Körper. Aber angeblich wurde es von dem heldenhaften Schleimi mit einer Schneckennudel gefüttert. Verbürgt ist. Das beruhigte Tier lief folgsam mit seinem Pfleger den Berg hinauf und auf der Panorama Straße zu seiner Heimat Zoo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Panorama Straße wurde 1933 in Adolf-Hitler-Alle umgetauft. Natürlich hat man für den Namen die schönste Straße in Pforzheim genommen. Nun ja, die Ehre war zum Glück von kurzer Dauer. 1945 wurde sie in Hachel Allee umgetauft. Bei meinem Opa ( SPD) hieß sie noch lange danach Bachel Allee.

Das Hachelgebiet bot Platz für Wohnungen der bürgerlichen Mittelschicht. Aber die Hachel Allee war den Reichen vorbehalten. Sie bauten hier prächtige Häuser und Villen. Im Foto sehen wir als Beispiel das Wochenendhaus von Juvelier Rothschild.

Das ehemalige Wochenendhaus Rothschild in der Hachel Allee.
Das Haus steht an der Einmündung des Gaisäckerweges in die HachelalleeDas ehemalige Wochenendhaus Rothschild in der Hachel Allee. Das Haus steht an der Einmündung des Gaisäckerweges in die Hachelallee

 

Im nächsten Teil erfahren wir von Schleimi noch einige Sächelchen über den Friedhof auf der Schanz, bevor wir einen kleinen Sprung zur Freilicht-Bühne am Wartberg machen.

 

Teil 5

 Karte von ca. 1920-1925Karte von ca. 1920-1925

 

 Heute kommen wir zu einem der schönsten Waldfriedhöfe von Deutschland.Klar! Den haben wir. Da haben die Stadträte mit der Stadtgärtnerei Großartiges geleistet. Aber sie haben ja auch endlich mal rechtzeitig reagiert und den Friedhof vom Oststadtpark auf die Schanz verlegt.Klar gab es auch Anfangsschwierigkeiten. Der Friedhof war noch um ein gutes Drittel kleiner. Wenn man 1877 auf den Friedhof wollte, konnte man dies über die spätere Hachel Alle machen. Das hatte den Nachteil, dass man durch ausgedehnte Kornfelder latschen musste und schließlich an einem kleinen verrosteten Törle auf den Friedhof gelangte. Der kürzere Weg ging über die Bernhardstraße am Felsenkeller hoch. Aber dort war es sehr steil und die Sargträger mussten sich abschleppen. Da floß im Sommer der Schweiß und im Winter war es gefährlich! Kam einer der Sargträger ins Straucheln, war die Katastrophe vorprommiert.Dann sauste Onkel Willi in seinem Sarg wieder den Berg hinunter.Doch die Lösung bot der Verein zur Feuerbestattung. Irgendwann hatte man gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Idee seine Toten nach antikem Vorbild zu bestatten.Diese Idee stieß natürlich bei der Kirche und damit bei den Behörden auf heftigen Widerstand.Warum? Nun, man glaubte bibelgetreu an das Jüngste Gericht und die Auferstehung der Toten.Darum durfte die Kirche anfangs nur Erdbestattungen zulassen. Und wie bitte sollte ein Häuflein Asche, eingesperrt in einer Urne auferstehen? Da waren Erdbestattungen schon sinnvoll. Und zwar möglichst nahe bei der Kirche! Wenn dann am jüngsten Tag die Kirchenglocke bimmelte, konnte man aus seinem Sarg hopsen und stand gleich in der ersten Reihe. Ihr glaubt ich mache Spässle. Nein, nein! Die Gräber in Kirchennähe waren schweineteuer und nur der Adel durfte in der Kirche selbst bestattet werden.Da war es geradezu blasphemisch über Feuerbestattungen zu diskutieren.Um über Feuerbestattungen zu informieren, wurden Vereine gegründet. Und Pforzheim war der 6. Verein in Deutschland. 1904 hatte er schon über 1000 Mitglieder. Nun ja, schließlich hatte der renommierte Frauenarzt Dr. Kuppenheim den Vorsitz. Bei dieser Mitgliederzahl konnten unsere Stadtoberen den Verein nicht länger ignorieren. Und der Verein zur Feuerbestattung machte einen sensationellen Vorschlag. Der Friedhof solle auf die heutige Größe ausgeweitet werden. Die Stadt solle eine Aussegnunghalle mit einem Krematorium bauen. Im Gegenzug versprach der Verein für eine prächtige Innenaustattung zu sorgen.Und die ist wirklich vom Allerfeinsten. Die Stadtoberen waren begeistert. Den endgültigen Ausschlag gab jedoch die Spende des ersten Leichen-Kraftwagen in Pforzheim.Der konnte bequem über die Hohenzollernstraße zum Friedhof fahren und dort den Sarg in der Leichenhalle abliefern. Natürlich kamen energische Proteste seitens der Kirche, aber der Friedhof war schließlich eine Angelegenheit der Stadt. Schon 1914 wurde die Aussegnungshalle eingeweiht und bald waren Feuerbestattungen auch von der Kirche akzeptiert. Erst 1953 wurde der Verein für Feuerbestattungen aufgelöst.

 

 Die steile Bernhardstraße als Zugang zum Friedhof.Die steile Bernhardstraße als Zugang zum Friedhof.

  Die neugebaute Aussegnungshalle von 1914Die neugebaute Aussegnungshalle von 1914

  Die wahrlich prächtige Aussegnungshalle. Kostenträger war der Verein für Feuerbestattungen.
Das Bild ist neu und wurde nach der Renovierung gemacht.Die wahrlich prächtige Aussegnungshalle. Kostenträger war der Verein für Feuerbestattungen. Das Bild ist neu und wurde nach der Renovierung gemacht.

 

 KriegerdenkmalKriegerdenkmal

 

 

 Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen. Das Denkmal wurde in der Hitlerzeit entfernt, weil es zu realistisch an den negativen Soldatentod erinnerte.Ich meine, dass ich das Denkmal vor vielen Jahren im Elsaß gesehen habe. Heute ruht auf dem Postament ein bronzener Lorbeerkranz.

 

 

 

 

  Engel MinnaEngel Minna

 

 

Man möge mir verzeihen, dass ich bei so komplexen Themen immer nur bestimmte Bereiche anschneiden kann. Aber ich hoffe, dass wieder ein paar neue, interessante Sächelchen dabei waren.

Schon kurz nach dem 1. Weltkrieg entwickelten die Nordstädtler ein Heimatgefühl und gründeten den Nordstadt-Bürgerverein. Dieser Verein war verantwortlich, dass die Heimatspiele auf der großen Freilichtbühne am Wartberg aufgeführt wurden. Davon handelt Teil 6

Am Ende möchte ich noch hinzufügen, dass ich quasi aus dem Kopf schreibe und natürlich hilft mir Schleimi mit seinen Erinnerungen dabei. Bei manchen Fragen bin ich einfach überfordert und wenn ich dann den Schleimi frage, höre ich oft die Antwort

" Du Blödbommel. Das weiß ich auch nicht! Da habe ich in Heimatkunde gefehlt, weil gleichzeitig am Ständle ein Gummibärle-Sonderverkauf stattfand."

Ein anderes Beispiel " He Schleimi! Was weißt Du über die Friedenslinde?"

Antwort. " Ich kenne nur eine Siglinde und das ist eine leckere Karoffel. Jetzt will ich Kartoffelpuffer mit Apfelmus.Aber ruckizucki!"

 

Teil 6

 

Die Freilichtbühne ist ganz rechts oben im Eck eingezeichnetDie Freilichtbühne ist ganz rechts oben im Eck eingezeichnet

Der Nordstadt-Bürgerverein war ebenso wie der Gesangsverein Blumenheck sehr rührig.Sie gründeten die Heimatspiele mit einer großen Freilichtbühne auf dem Wartberg.( siehe Karte ) Die Bühne stand auf dem heutigen Parkplatz vom Freibad. Gesponsert wurde die ganze Sache von begüterten Bürgern der Nordstadt. Architekt Dobler baute eine große Zuschauertribüne und fertigte die Bühnenbilder.

Aufführung 400 PforzheimerAufführung 400 Pforzheimer

Ein Muss zur Premiere war das Theaterstück von Künstler Eichrodt ( der auch Regisseur war ) Die 400 Pforzheimer in der Schlacht bei Wimpfen . Natürlich wurden die Pforzheimer Helden, als sie mit ihren Ackergäulen einritten, frenetisch bejubelt. Dazu trug auch der Bierkonsum bei den männlichen Zuschauern einen Teil dazu bei.Auch der Götz von Berlichingen fand großen Anklang.Die Zuschauer fieberten dem Zitat entgegen und als es dann endlich soweit war, grölten hunderte Kehlen " Er aber, sags ihm, er kann mich im Arsch lecken!" Auch an schwierige Stücke wagte man sich. So zum Beispiel die Iphigenie von Goethe.Aber das war mehr Frauenkram.Familienunterhaltung gab es bei " Der Waffenschmied " und " die lustigen Weiber von Windsor" Auch sonst hockten die Kinder und Jugendlichen auf den Bäumen vom Wartbergwäldle und verfolgten als Zaungäste das Theaterspektakel.

Die Freilichtbühne war ein voller Erfolg und angeblich hätte der geniale Dichter und Denker Schleimi sogar seine Ode an die Schneckennudel vortragen dürfen.

Da geschah das Unglück! In der Nacht zum Sonntag am 5 Oktober 1930 brach in den Ankleideräumen innerhalb der großen Holztribüne ein Feuer aus und verbrannte in kürzester Zeit die schöne Freilichtbühne.Da war nichts mehr zu retten! Aber des Einen Leid, des Anderen Freud.

Vor dem neuen Vereinsheim der TGSVor dem neuen Vereinsheim der TGS

Wir erinnern uns.Die TGS Pforzheim hatte ja auf dem Hachel eine kleine Sportanlage. Die platzte bei den vielen Mitgliedern aus allen Nähten! Weil der Nordstadt-Verein kein Geld für den Aufbau einer neuen Bühne hatte, gab die Stadt Pforzheim der TGS die Genehmigung für den Bau einer Sportanlage auf dem Wartberg.Natürlich auf eigene Kosten. Jetzt wurde eifrig geschafft und gewerkelt. Am 8. Juli 1934 war es dann endlich soweit. Das Vereinsheim und der Sportplatz konnten eingeweiht werden. In den 50er Jahren fanden dort sogar Landesturnfeste statt und der kleine Schleimi führte eifrig seine Rolle vorwärts vor.

Einweihung vom Sportplatz der TGS am 8.7.1934Einweihung vom Sportplatz der TGS am 8.7.1934

LandesturnfestLandesturnfest

Ich hoffe, dass wieder einige interessante Sächelchen für Euch dabei waren. Im nächsten Teil geht es dann um Krankenhäuser und ein FKK-Gelände.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Teil 7 und vorerst der letzte Teil

 Heute das Thema Krankenhäuser.

1871 hatte der evangelische Diakonissenverein unter Wilhelm Mürrle eine tolle Idee, die auch zügig umgesetzt wurde.

1884 wurde im Altstädter Kirchenweg 21 ein Kinderhospital gegründet. Bald wurde es räumlich zu eng und schon am 25. Oktober 1891 konnte man stolz das evangelische Kinderkrankenhaus Siloah in der Kaiser-Wilhelm-Straße eröffnen. 1899 gab es einen Neubau in der Bismarck-Straße. In diesem konnten auch Mütter mitbehandelt werden.

Die boomende Besiedlung im Norden der Stadt, machte es ratsam ein zweites Krankenhaus zu bauen. Diesmal nicht nur für Mütter und Kinder, sondern für alle Menschen.Der katholische Orden St. Trudpert sollte die Pflege im Krankenhaus übernehmen.Jetzt stellte sich nur noch die Frage " Wo bauen wir?" Es gab Befürworter, die an der Stelle des heutigen Kepler Gymnasiums bauen wollten.Aber dieser Vorschlag wurde verworfen. Schließlich gab es ja die Redtenbacherstraße noch nicht, bzwh. war nur ein Trampelpfad. Außerdem lag der Bauplatz zu nahe an Eutingen und man wollte ja ein Allgemein-Krankenhaus für die Nordstädtler und Wartbergler.Da bot sich doch der Platz am Wolfsberg geradezu an.Stadtrat Schleimi argumentierte genial.Bei diesem Panoramablick auf unsere schöne Stadt und den lieblichen Schwarzwald muss doch jeder Kranke ruckizucki gesund werden. Dann haben wir ja in der Sponheimstraße das Luftbad.Wer beim Anblick der nackten Mädchen und athletischen jungen Männer nicht schnell gesundet, der ist wirklich todkrank und wird bald das Zeitliche segnen.In diesem Fall der Fälle haben wir den Vorteil, dass der Friedhof ebenerdig nur popelige 300 Meter entfernt liegt.Das Argument Friedhof gab letztendlich den Ausschlag.

Vor einigen Jahren sagte man noch

" Das Städtische Krankenhaus hat die besten medizinischen Geräte, das Siloah die besten Ärzte, aber das Trudpert die liebevollste Pflege."

Nun ja, das hat sich geändert und ist Geschichte.

Man möge Schleimi seine manchmal flapsige Ausdrucksweise verzeihen. Es ist bestimmt nicht böse gemeint.

Die Nordstadt-Reihe wird bei Gelegenheit fortgesetzt.

Jetzt braucht der banzige Schleimi erstmal eine kleine Erholungspause. Aber er hat über unsere Heimatstadt Pforzheim noch viel zu erzählen.

 

Das alte Siloah an der Kaiser Wilhelmstraße, heute Heim am HachelDas alte Siloah an der Kaiser Wilhelmstraße, heute Heim am Hachel

 

Krankenhaus St. TrudpertKrankenhaus St. Trudpert

 

 

 

 

 

  Krankenhaus St. TrudpertKrankenhaus St. Trudpert

   

 

 

 

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Schleimi erzählt Bekanntes und Unbekanntes über unseren alten Bahnhof

Teil 1

Der Bahnhof wurde am 3.Juli 1861 eingeweiht.

Aber das Gesuch um eine Bahnanbindung der Stadt Pforzheim von 1844 wurde von der Badischen Kammer abgelehnt.Die Begründung damals. Für eine Kleinstadt wie Pforzheim sei es nicht ratsam, so eine gute Verkehrsverbindung mit der Landeshauptstadt Karlsruhe zu haben.Dadurch erleiden erfahrungsgemäß die Pforzheimer Geschäftsleute schwere finanzielle Einbußen! Doch die Pforzheimer ließen nicht locker und gründeten 1846 eine Aktiengesellschaft zur Förderung des Bahnbaues.Dennoch argumentierte Karlsruhe. Der Tunnelbau bei Ispringen sei ein Ding der Unmöglichkeit.Ganz zu schweigen von den schauerlichen, unterirdischen Passagen, die ungesunde, feuchte Luft, dazu die Zugluft mit dem erstickenden Qualm der Lokomotive.Wenn überhaupt könne man sich folgende Strecke vorstellen.

Pfinztal nach Nöttingen. Von dort nach Elmendingen und Dietlingen bis nach Brötzingen. Bei Brötzingen sollte die Bahn die Enz überqueren und dann entlang der heutigen KF bis zum Turnplatz fahren.Von dort nach Süden abbiegen und die Nagold überschreiten. Der Bahnhof würde nach dieser Streckenplanung an der heutigen Kunst- und Gewerbeschule in der Holzgartenstraße stehen.Kaum hörten die Spekulanten von diesem Plan, kauften sie gierig sämtliches Ackerland an der Nagold. Hihi. Pech gehabt! Denn als die badische Regierung 1856 endlich die Zuganbindung für Pforzheim genehmigte, hatte man im Tunnelbau schon soviel Erfahrung gesammelt, dass der Ispringer Tunnel realisiert werden konnte.Jetzt fehlte nur noch ein Grundstück und dann konnte man den Pforzheimer Bahnhof bauen. Aber davon erzähle ich Euch später.

 

Teil 2

Als Baugelände für den neuen Bahnhof wurde der alte Schloßgarten ausgewählt.Der lag vor den Toren der Stadt und umfasste ca. 12 Morgen Land. Ein Teil war die städtische Viehweide aber im Garten standen auch hunderte von Obstbäumen.Doch es gab ein Problem und jetzt wird es ein wenig verkuddelt.Markgraf Karl Wilhelm hatte ja bekanntlich das Pforzheimer Waisenhaus gegründet und damit die Kinderchen frische Luft atmen konnten, vermachte er ebendiese Gartenanlage 1718 dem Waisenhaus.Die Stadt verpachtete später einzelne Parzellen an Bürger. Auch die Gebr. Saacke kauften hier viel Land, immer wenn das Stadtsäckel Schwindsucht hatte. Das restliche Gelände gehörte ab 1840 dem Pforzheimer Siechenhaus im Blumenhof.Unter fachkundiger Leitung eines Gärtners bauten hier die arbeitsfähigen Insassen Obst und Gemüse an.Die Bahnverwaltung kaufte dem Siechenhaus dieses Gelände für 45.000 Gulden ab und da die Stadt Eigentümer des Siechenhauses war, floß dieses Geld natürlich in die Stadtkasse. Schwieriger waren die Verhandlungen mit den Gebr. Saacke und den vielen anderen Grundstücksbesitzern. Ein weiteres Problem tauchte auf. Der damalige Bahnhofsvorplatz war ja unebenes Ackergelände und an der zukünftigen Bahnhofstraße befanden sich noch die alten Burg- und Wehrgräben. Das Gelände musste eingeebnet und die Gräben zugeschüttet werden. Doch welch ein günstiger Zufall! Beim Bau des Ispringer Tunnels fiel jede Menge Erdaushub an.Sogar soviel, dass man von der Luisenstraße bis zur Franziskuskirche eine herrlich ebene Fläche bauen konnte.Die spätere Luisenstraße teilte das Saacke-Grundstück in zwei Hälften. Das nördliche kaufte die Bahnverwaltung und das Südliche blieb Privatgrundstück und beherbergte einen wunderschönen Garten mit einem ebenso schönen Wohnhaus.

 

 

 Also, wenn Ihr mal wieder am Bahnhof steht oder die Bahnhofstraße hinunter schlendert, befindet Ihr Euch vielleicht gerade auf Ispringer Erde.

Wenn man überlegt, dass der Erdaushub noch mit Pferde- und Ochsenkarren transportiert wurde ist es wirklich erstaunlich, was hier in knapp 4 Jahren Bauzeit geleistet wurde.Ein Lob geht auch an die fleißigen Italiener, ohne die der Ispringer Tunnel und die Bauarbeiten in dieser kurzen Zeit nicht möglich gewesen wären.

Dank geht auch an den banzigen Schleimi, der morgen die Geschichte von unserem Bahnhof weiter erzählen wird.Natürlich nur gegen eine Gage von 10 lumpigen,roten Gummibärle.

 

 

Teil 3

 Am 3. Juli 1861 war es dann endlich soweit! Der große Tag der Einweihung war gekommen! Der neue Bahnhof und die neue Bahnhofstraße strahlten und funkelten um die Wette um den jungen Großherzog Friedrich bei seinem ersten Pforzheim Besuch würdig zu empfangen.Die Bevölkerung setzte große Hoffnungen in den jungen badische

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