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SchleimiSchleimi

 

 Kobold Schleimi erzählt Geschichte und Geschichten aus Pforze:

 

 

Wer war Willi Feuchte ? Schleimi beantwortet die Frage.

 

Willi FeuchteWilli Feuchte

Die Pforzheimer Edelmetall- und Schmuckindustrie mit immerhin 35.000 Arbeitnehmern stand Mitte der 20.er Jahre in einer ernsthaften Krise. Schuld war eine weltweite Depression und hohe Schutzzölle im Ausland. Dazu kam natürlich noch der erhöhte Steuerdruck. Irgendwoher musste ja das Geld für die unsinnig hohen Reparationszahlungen aus dem 1. Weltkrieg herkommen.

Alle Fabrikanten und Verbände waren sich einig.

" Wir müssen vermehrt Werbung machen und dabei miteinander am gleichen Strang ziehen."

Das war die Geburtsstunde vom Industriehaus mit seiner ständigen Musterausstellung.

Mitten im Stadtzentrum wurde das für damalige Verhältnisse gigantische Industriehaus gebaut.

In diesem imposanten Gebäude mit 8 Stockwerken wurden erstmals Stahlträger und Beton verwendet. So überstand das Industriehaus auch den Luftangriff am 23. Februar 1945 bis auf die Fassade.

Natürlich gab es Bedenken von Seiten der Stadt." Das Gebäude ist viel zu groß! Wir sind doch nicht in Amerika!"

Aber die Unternehmer waren sich einig und setzten den Bau trotz aller Hindernisse durch die Stadtverwaltung durch.

Doch jetzt ergab sich ein Problem. Wir brauchen einen erstklassigen Organisator und Marketingfachmann.

Zum Glück bewarb sich am 30. Juni 1925 der Tausendsassa Willi Feuchte. Der agile Mann überzeugte mit seiner Begeisterung für das Projekt sofort.

Eine seiner neuartigen Ideen war folgende.

 

Industriehaus mit seiner ständigen MusterausstellungIndustriehaus mit seiner ständigen Musterausstellung

Man muss schon während der Bauzeit des Industriehauses mit einer Werbe-Festschrift beginnen und diese zeitnah zur Eröffnung in alle Welt verschicken.Hier sei vor allen Dingen der ostasiatische Markt von Bedeutung. Die Pforzheimer Schmuckfabrikanten hatten zwar ausgezeichnete Verbindungen in Europa, Nord- und Südamerka, aber der asiatische Raum war bisher nicht beachtet worden. Das änderte sich nun mit Willi Feuchte.

Die Werbe-Festschrift wurde in 4 Sprachen in die ganze Welt verschickt. Schriftleiter war Herr Feuchte.

Am 1. Oktober 1926 wurde das Industriehaus feierlich eingeweiht. Der industrielle Gemeinschaftsgedanke war geboren. In den künstlerisch ausgestalteten Räumen konnte man von den teuersten Juwelen bis zum einfachen Silberschmuck alles bewundern, was die Pforzheimer anfertigten. Aber es gab auch Tafelbesteck, Porzellan, Kunstgegenstände und sogar Gebrauchsartikel für den Kirchenbedarf.

Der Umsatz florierte und die Schmuckindustrie erholte sich.

Doch der vorausschauende Willi Feuchte warnte frühzeitig.

" Setzt nicht alles auf das "Schmuckpferd!" Pforzheim liegt landschaftlich einzigartig mit dem herrlichen Schwarzwald und den Naherholungsgebieten. Das wäre eine stetig sprudelnde Geldquelle. Und so wurde Willi Feuchte 1933 der erste hauptamtliche Direktor vom Pforzheimer Verkehrsverein. Fremdenverkehr und Tourismus war für ihn eine Pforzheimer Schlüssel-Industrie.

Da er der Politik der neuen Machthaber Adolf Hitler und der Partei NSDAP misstraute, reichte er zum Leidwesen vieler Pforzheimer am 1. Februar 1934 seine Kündigung ein.

Angeblich soll er gesagt haben,

" Die neuen Machthaber werden viel Unglück über Pforzheim, Deutschland und die ganze Welt bringen!"

Welch ein vorausschauender, genialer Mann.

 

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Der silberne Teller von 1895 aus dem BHM Archiv

Das "alte" Alte Rathaus. Seltsame Umstände um den ganau zur richtigen Zeit aufgetretenen Großbrand, die das Gebäüde vernichteten.Das "alte" Alte Rathaus. Seltsame Umstände um den ganau zur richtigen Zeit aufgetretenen Großbrand, die das Gebäüde vernichteten.

B.H. Mayer (1843 – 1911) war ein Pforzheimer durch und durch. Seine Innovation hat mehr als ein Mal Erstaunen verbreitet, und wenn der von ihm verehrte Friedrich I. von Baden am 29. Mai 1895 die Stadt besuchte um das neue Rathaus, dessen Vorgängerbau unter seltsamen Umständen den Flammen eines Großbrandes zum Opfer fiel, einzuweihen, hatte er natürlich ein angemessenes Präsent für den Grossherzog.

Eine Medaille die auf der Vorderseite das neue Rathaus aus der Sicht vom Marktplatz zeigt und die rückseitig das Profil Friedrichs darstellt.
Serviert bekam er die Medaille, die von Prof. Rudolf Mayer entworfen und in B.H. Mayers Kunst-Prägeanstalt geprägt wurde, auf einem silbernen Teller.
Ob der Teller, den eine feine Ziselierung verziert ebenfalls von Prof. Rudolf Mayer entworfen wurde ist leider nicht bekannt.Das "neue" alte Rathaus von 1895. So schön es auch aussieht, den prämierten Entwürfen der Ausschreibung entspricht es nicht.Das "neue" alte Rathaus von 1895. So schön es auch aussieht, den prämierten Entwürfen der Ausschreibung entspricht es nicht.

 

Es ist aber zu vermuten, denn dieses Kunsthandwerk beherrschte er wie kaum ein zweiter. Hergestellt wurde der Teller bei WMF, dass sich damals noch auf Kunsthandwerk spezialisiert hatte und das ein Verfahren entwickelt hatte das größere Kunstobjekte aus Metall galvanisch reproduzieren konnte. Der Teller ist aus Messing das versilbert wurde, zu erkennen an der Marke WMFM.

Der Teller hat auf der Unterseite eine Gravur:

„Auf diesem Teller wurde dem Großherzog Friedrich I. von Baden bei seinem Besuche in B. H. Mayers Prägeanstalt am 29.Mai 1895 von Herrn B. H. Mayer die anläßlich der Rathauseinweihung geprägte Medaille überreicht und von Seiner königlichen Hoheit mit huldvollen Dankesworten entgegengenommen

Der silberne Teller von 1895Der silberne Teller von 1895

Gravur auf der Unterseite des silbernen TellerGravur auf der Unterseite des silbernen Teller

 

Silber-Medaille von 1895. VorderseiteSilber-Medaille von 1895. Vorderseite

                  Silber-Medaille von 1895. Rückseite.Silber-Medaille von 1895. Rückseite.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Für den Neubau des Rathauses gab es eine nationale Ausschreibung, deren zwei ersten Plätze Entwürfe Berliner Architekturbüros belegten. Umgesetzt wurde keiner von beiden.

 

 

 

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Schleimi erzählt mir die Geschichte vom hartherzigen Amtmann Benjamin Roth

 

An der Süd-West Ecke vom Marktplatz gegenüber von Bankier Kayser war das Gasthaus Krone.An der Süd-West Ecke vom Marktplatz gegenüber von Bankier Kayser war das Gasthaus Krone.

An der Süd-West Ecke vom Marktplatz gegenüber von Bankier Kayser war das Gasthaus Krone, nach der die Kronenstraße benannt ist.

Hier residierte der Amtmann, der mit seinem Stockmeister für die Ausführung der verhängten Strafen verantwortlich war.

Im Hof vom Gasthaus Krone gab es eine Strafbank, auf der die Übeltäter mit einem Eichenstock vom

HenkertagHenkertag

Stockmeister Schläge auf die nackten Fußsohlen bekamen. Die Anzahl der Schläge richtete sich nach der Schwere der Missetat.

Ganz schwere Jungs wurden in dem kleinen Gefängnis am Nonnenmühl - gässchen  eingesperrt und warteten auf ihre Hinrichtung.

Am Henkertag führte man sie über die Auerbrücke, den Schoferweg und den Armen Sünderweg hinauf, bis zur Waldecke an der Tiefenbronnerstraße im Revier Galgenbusch. In etwa beim heutigen Gedenkstein für die ermordeten Ausländer am Ende vom 2. Weltkrieg. Kurz vor dem Tierpark. Die Gehängten ließ man zur Abschreckung umherziehender Vagabunden am Galgen hängen. Die Raben freuten sich.

Jetzt gab es ca. um 1800 den Amtmann Benjamin Roth mit seinem Stockmeister. Beide hatten unbotmäßig viel Freude bei ihrer Arbeit. Wenn zum Beispiel ein armer Hungerleider wegen Diebstahl von einem Kanten Brot zu 3 Stockschlägen verurteilt war, erhöhte er die Strafe eigenmächtig auf 6 Stockhiebe. und lachte bei der Bestrafung. Irgendwann suchten die Geister der Bestraften ihn nachts in seinen Träumen heim. Am Ende sah er die Trugbilder sogar bei Tag. Er erhängte sich schließlich in seiner Amtsstube. Angeblich spukte er danach im Wartberger Hohwald. Aber das war natürlich ein Märchen um die kleinen Kinder vom Wartberg zu bewegen, bei Anbruch der Dämmerung ihr Spiel im Freien zu beenden.

 

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 Heute feiern wir wohl den prunkvollsten Feiertag in der katholischen Kirche

 Fronleichnam

 Prozession 1958Prozession 1958

Fronleichnam kommt vom Altdeutschen und bedeutet " Körper des Herrn."

Dieser Feiertag wird seit 1246 immer 60 Tage nach Ostern begangen.

An Fronleichnam wird eine Hostie als Verkörperung Christi in der Monstranz durch die Stadt getragen.Dies soll zeigen, dass Gott unter uns weilt, auch wenn wir ihn nicht sehen können.Gerade in Notzeiten war dies den Gläubigen ein großer Trost und gab Kraft zum weiterleben.

Während die Hostie unter einem Baldachin durch die Stadt getragen wurde, gab es verschiedene Stationen, an denen Fürbitten und Psalmen gebetet wurden. Diese Stationen waren mit Teppichen aus Blütenblättern geschmückt. Die Teppiche zeigten wunderschöne, farbenprächtige Motive.Diese Teppiche wurden von den Frauen der Kirchengemeinde akribisch gestaltet. Ich sammelte eifrig die Blätter unserer Pfingstrosen. Wir hatten ungefähr 15 große Pflanzen in unserem Garten.

Franziskus-Kirche 1958Franziskus-Kirche 1958 Auf dem Waisenhausplatz wurde der Segen über die Stadt gesprochen. Danach kehrte die Prozession wieder in die Franziskus-Kirche zurück.

Das war ein Spektakel sondersgleichen! Tausende Menschen säumten die offenen Fenster und die Zuschauer drängelten sich am Straßenrand. Gläubige und Ungläubige! Es gab ja noch nicht viel Abwechslung.

Den Festzug führten die Nonnen aus den Krankenhäusern an. Danach kamen die Priester und Diakone, gefolgt von den Kommunion-Kindern. Der Baldachin mit der Monstranz und dem Stadtpfarrer. Dem folgten sämtliche Ministranten der Kirchengemeinde.Danach folgten die Kirchenräte und die Gläubigen. So ein Lindwurm an Menschen wäre bei dem heutigen Verkehrsaufkommen gar nicht mehr möglich.Sämtliche Kirchentüren waren weit geöffnet und schon in der Lindenstraße konnte man die feierliche Orgelmusik hören. Mit dem Lied " tantum ergo sacramentum" ( Lied vom Altarsakrament ) zogen wir in die Kirche ein. Dort wurde der Schluss-Segen gesprochen. Natürlich hatten nicht alle Gläubigen in der Kirche Platz. Und so stand eine dichte Menschentraube um die Kirche herum.

Die Prozession begann um 8.00 und endete ca. um 12.00. Damals galt noch die unsinnige Regel, dass die Gläubigen 12 Stunden vor der Messe nichts mehr essen durften.Da knurrte um 12.00 der Magen. Dazu kam die Hitze. Einmal hatten wir über 30 Grad und die Menschen vielen reihenweise in Ohnmacht. Aber dafür gab es einen Platz rechts neben der Kirche und die Sanitäter legten die Ohnmächtigen auf Decken und verabreichten ihnen Riechsalz.

Das Schlusslied war dann " Großer Gott wir loben Dich!" Da sang dann der kleine Schleimi- Ministrant aus voller Kehle mit, während er das Weihrauchfass wild herumwirbelte. Nicht nur einmal flüsterte Stadtpfarrer Theo Ulrich " Contenance! Contenance! Und schreie am Ende nicht wieder laut Amen." Das war nämlich eine Spezialität von mir. An unpassender Stelle laut "Amen" zu grölen und die Gemeinde antwortete ebenfalls brav mit " Amen"

Danach rannte ich hurtig heim! An Fronleichnam gab es bei uns immer Sauerbraten mit Knödel und Endiviensalat.

Ich verzichtete gerne auf das Fleisch und aß lieber die Knödel mit der leckeren Soße. Die restliche Soße wurde stilgerecht über den Endiviensalat gekippt.

Ich bin froh, dass ich solch prächtige Kirchenfeste in meiner Kindheit und Jugend erleben durfte!

Fronleichnamsprozession vor einer evangelischen Kirche (Brötzingen)Fronleichnamsprozession vor einer evangelischen Kirche (Brötzingen)

 

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Schleimi erzählt eine wahre Geschichte, die uns nachdenklich und dankbar stimmen sollte.

 

Während dem Krieg mit Napoleon traf es Pforzheim knüppeldick! Die durchziehenden Franzosen. Die Typhus -Pandemie der russischen Kriegsgefangenen. Ja, Pforzheim und seine Bürger hatte der unsinnige Krieg hart getroffen.Es herrschte eine extreme Teuerungsrate und Lebensmittel waren kaum zu bekommen. Eine richtig armselige Zeit! 1816 hungerte der Großteil der Bevölkerung. Der Winter war ungewöhnlich hart und es gab so gut wie kein Heizmaterial.

Am 23. Dezember einen Tag vor Weihnachten, sah sich der Pforzheimer Oberbürgermeister genötigt, einen Aufruf im Wochenblatt zu veröffentlichen.

Der Aufruf ging an die Reichen und Begüterten der Stadt.

Erbarmet Euch der Not eurer armen Mitbürger!

Spendet für eine Suppenküche und eine Aufwärmstube!

Leider nur mit mäßigem Erfolg. Denn auch die Reichen hatten fast keine Vorräte mehr. Schmalhans war Küchenmeister und die Menschen kämpften um einen kleinen Laib Brot beim Bäcker. Diebstähle mehrten sich. Klar, bevor die Leute verhungerten, nahmen sie sich, was sie konnten. Die Behörden schritten ein. Alles Mehl musste abgegeben werden und das Brot wurde nur noch im Waisenhaus gebacken. Hier konnte man das rationierte Brot abholen. Auch im übrigen Land sah es düster aus. Alle Bürger hofften und beteten um eine gute Ernte! Doch vergeblich! Im Juli 1817 vernichteten Unwetter mit Starkregen und Hagel beinahe die komplette Ernte.

ErntewagenErntewagen

Am 11. August war es dann endlich soweit.

Der Erntewagen mit dem wenigen Getreide, das die Unwetter überstanden hatte, erreichte das Schlosstor bei der Linde. ( Bahnhof-Vorplatz.)

Hier warteten schon die gesamte Schuljugend mit den Lehrern.Der Wagen wurde mit Blumen geschmückt. Es bildete sich eine Prozession mit festlicher Musikbegleitung. Dabei war die großherzogliche Dienerschaft und die Magistraten.Natürlich auch alle Honoratioren der Stadt. Mit Musik und Gesang erreichte man das Brötzinger Tor ( Leopoldplatz ) Hier wurde von allen das Vaterunser gebetet. ( Unser täglich Brot gib uns heute ) Dann wurde der Wagen mitten auf den Marktplatz gefahren. Die Menschen bildeten einen Kreis um den Wagen und sangen mit Tränen in den Augen die Lieder " Nun danket alle Gott" und Großer Gott wir loben Dich"

Seien wir dankbar! Wir müssen nicht frieren und hungern. Viele Menschen auf der Welt leben in Not und Elend.

Vielleicht sollten wir in unserer Überfluss-Gesellschaft hin und wieder unsere Ansprüche zurück schrauben und an die Menschen denken, denen es nicht so gut geht.

Was sind gegen das damalige Leid die paar Einschränkungen, die wir wegen der Corona-Pandemie erdulden müssen.

 

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 1749 das letzte Schülerfest auf dem Rennfeld

 

Hurra! Heute ist Pfingsten und ich hoffe, dass der Heilige Geist mit seiner Erleuchtung mit ein paar Strahlen auch den banzigen Schleimi trifft!

Heute vor 271 Jahren fand an Pfingsten 1749 das letzte Schülerfest auf dem Rennfeld statt.

Der Festtag begann um 9.00 mit einem feierlichen Gottesdienst in der Stadtkirche für 250 Schüler der Volksschule. Danach stellte man sich zu einer feierlichen Prozession auf. An der Spitze der Bürgermeister mit seinen Magistraten und den Lehrern.Mit Musik und Gesang marschierte man zum Rennfeld. Dort hatten Eltern, Sponsoren und Gastwirte leckere Speisen und Getränke aufgebaut. Es folgten ein paar mehr oder weniger langweilige Ansprachen ( Ihr kennt das )

Endlich kam man zum wichtigen Punkt. Die fleißigen Schüler wurden belobigt und alle bekamen Geschenke.

Neben Süßigkeiten, gab es Federkiele und Papier.

Dann wurden die Schulkinder zum Spiel entlassen.

Während die Erwachsenen schmausten, ertönte ausgelassenes Kindergeschrei.War doch das Schuljahr zu Ende und begann erst wieder im November.

Auch die Armen bekamen Brot und Wein!

Kurzum alle Menschen verbrachten einen herrlichen Tag.

Alle? Nein! Schleimi schaute missmutig. Dem hatte man nämlich mit Riemen eine Tafel auf dem Rücken befestigt.

Darauf war ein Esel zu sehen. Er war mit Abstand der faulste Schüler! Also grummelte er " Das sind alles haltlose Unterstellungen! Ich bin klein, mein Herz ist rein, da passen noch ein paar Schneckennudeln rein!"

Schon im Jahr 1683 wurden 3 solcher Esels-Tafeln angeschafft. In der Schule gab es sogar die Eselmütze, die man heute noch im Stadtmuseum sehen kann.

1699 besuchten lediglich 200 Kinder die Volksschule. Und das bei 1700 Einwohnern.

Schulfächer waren Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten.

Dazu mussten die Schulkinder Bibelsprüche, Psalmen, Choral singen und den Katechismus auswendig lernen.

Kein Wunder schwänzten viele Kinder die Schule und halfen lieber in der Landwirtschaft der Eltern aus.

 

RennfeldRennfeld

 

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Segen und Fluch

Pforzheim lag ja strategisch günstig an den alten Handelsstraßen von der Schweiz und Italien nach Frankreich. Auch die Nordachse über Frankfurt konnte bedient werden. Das war natürlich wirtschaftlich ein Segen. Viele Händler mit ihren Waren nahmen den Weg über Pforzheim und bescherten der Stadt schon immer einen bescheidenen Wohlstand.

Nur durch die einmalige Lage unserer Heimatstadt war es möglich, diese nach all den Zerstörungen immer wieder aufzubauen.

Denn wir waren bei jedem Krieg immer die Leidtragenden.Im günstigsten Fall wurden die durchziehenden Soldaten nur einquartiert und mussten dann natürlich auch verpflegt werden.

So war es zum Beispiel auch beim polnischen Krieg 1734.Pforzheim war mal wieder Quartierstadt und wäre eigentlich glimpflich davongekommen, wenn die fremden Soldaten nicht das Faulfieber mitgebracht hätten.Da die Soldaten häufig privat einquartiert waren, blieb es nicht aus, dass sich die Seuche verbreitete. Pforzheim hatte 1734 4000 Einwohner und es gab 500 Pforzheimer die dem Faulfieber ( Typhus ) erlagen.Da gab es in jeder Familie Tote zu beklagen.

Der kleine Brunnen auf dem Foto steht heute im Blumenhof.Der kleine Brunnen auf dem Foto steht heute im Blumenhof.

Auch 1806 brachten die russischen Kriegsgefangenen den Typhus mit.Da wir zu diesem Zeitpunkt noch kein Krankenenhaus hatten, brachte man Napoleons Gefangene in die Schloßkirche.Bisher hatte man lediglich eine kleine Krankenstube auf dem Waisenhausplatz.

( mein Foto zeigt das Untere Bad.)

Doktor Roller konnte den Stadtrat überzeugen, dass die erkrankte Bevölkerung in Baracken beim Buckenberg isoliert wurden. Sein Großvater hatte schon 1734 gegen den Typhus gekämpft. Trotzdem starben 200 Pforzheimer.Die russischen Kriegsgefangenen hingegen starben wie die Fliegen und wurden nach ihrer Sitte nachts, nackt auf einer Bahre unter Fackelschein zum Altenstädter Friedhof getragen und dort in einem Massengrab beerdigt.Das auf Drängen von Dr. Roller aufgestellte Russenkreuz soll an das furchtbare Leid erinnern und steht noch heute im Oststadtpark.

Am 23. Juni 1814 war endlich das Ende der Kampfhandlungen und mit einer Truppenschau am Ispringer Pfad wurden die 8000 badischen Soldaten in ihre Heimatstädte entlassen.

Kam Pforzheim jetzt endlich zur ersehnten Ruhe? Nein. Der nächste Schicksalsschlag wartete schon.

Im April 1815 brach im Indischen Ozean der Vulkan Tambora aus und sorgte für eine weltweite Klimakatastrophe.Eine gigantische Wolkendecke verdeckte 1816 ganz Frankreich, Deutschland und die Schweiz.Kein Sonnenstrahl konnte durch die Wolken dringen. Es gab keine Ernte und die Getreidepreise stiegen ins gigantische. Für ein kleines Laibchen Brot musste man einen Wochenlohn bezahlen.Die Stadtoberen in Pforzheim reagierten unverzüglich. Privat durfte nicht mehr gebacken werden. Nur noch im Waisenhaus. Dort wurde auch das rationierte Brot ausgegeben. Es war die letzte europaweite Hungersnot.Zuerst wurde das Vieh und die Pferde geschlachtet. Danach die Katzen und Hunde. Am Ende gab es Ratten-Gras-Eintopf. Auf der schwäbischen Alb wurden zuerst die Alten und die Kleinkinder dem Hungertod preisgegeben.Was da aus lauter Verzweiflung im Kochtopf landete will ich gar nicht wissen!

In dieser Not hatte der badische Karl von Drais ( sein Vater war Haushofmeister beim badischen Erzherzog ) eine geniale Idee. Pferde und Zugtiere wurden ja permanent entweder für den Krieg requiriert oder fielen in Notzeiten dem Hunger zum Opfer. Man müsste eine Maschine erfinden, mit der man durch menschliche Antriebskraft mobil sein konnte. Und so erfand er das Laufrad. Der Vorgänger von unserem Fahrrad. Eine geniale Erfindung, die in größter Not geboren wurde.

 

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Die österreichische Kaisertochter und Erzherzogin Marie Luise zu Gast in Pforzheim

 

Am 21. März 1810 war mal wieder großer Umtrieb in der Stadt Pforzheim. Es galt einen hohen Gast zu begrüßen. Die österreichische Kaisertochter und Erzherzogin Marie Luise.Die sollte nämlich Napoleon Bonaparte heiraten. Auf dem Weg nach Paris war ein Zwischenstopp im Pforzheimer Hotel Post eingeplant. Ihr wisst schon. Ein kleiner Snack, Besuch im Ort der Heimlichkeiten und ein wenig frisch machen.Schon seit den frühen Morgenstunden war die Bevölkerung auf den Beinen um der Prinzessin zuzujubeln. Die Straßen waren merkwürdig sauber, festlich geschmückt und überall sah man Galakleidung und Ehrenuniformen.Und natürlich sah man jede Menge Frauen. Die verteidigten ihren Stehplatz vor der Posthalterei vehement und energisch. Wann sah man schon einmal eine leibhaftige Prinzessin und bald die Frau des mächtigsten Mannes auf der Welt! Als dann Kanonendonner und Kirchengeläut ertönte, stieg die Spannung ins Unermessliche,Zuerst kam die Ehrengarde der französischen Reiter und danach die lange Reihe der Reisewagen. Im ersten Reisewagen saß die Prinzessin mit ihren engsten Hofdamen. Es folgten unendlich viele Gepäckwagen mit der fürstlichen Aussteuer. Die erwartungsvolle Menschenmenge raunte aaaah und ooooh, aber die Prinzessin stieg aus der Kutsche und verschwand schnell ohne zu winken in der Posthalterei.Die Frauenwelt war bitter enttäuscht und manch Ausruf " So eine arrogante Pute" erklang.Auch die Bevölkerung von Niefern war beleidigt.Sie hatten an der Grenze zum württembergischen Königreich eine schöne Thrimpfpforte gebaut, aber auch diese durchfuhr die Kaisertochter ungerührt.

Frauenkenner Schleimi erklärt es so.Die junge Marie Luise war gerade mal 19 Jahre jung. Für sie war Napoleon der Feind und Antichrist schlechthin.Sie hatte sogar eine Napoleon-Puppe, die sie eifrig malträtierte.Jetzt wurde sie von Napoleon zu dieser Zwangsheirat genötigt.Dabei war sie doch in den Erzherzog von Modena verliebt. Aber die Staatsraison geht vor und Kaiser Franz musste schweren Herzens seine Tochter dem verhassten Feind geben. Klar hatte da die Prinzessin keine Lust Kusshände unter dem Volk zu verteilen. Fuhr sie doch einem unsicheren Schicksal entgegen.

Schon 1811 gebar sie Napoleon einen Sohn und konnte nach Napoleons Untergang 1814 nach Wien in das Schloss Schönbrunn zurückkehren.

1810 war Napoleon der mächtigste Mann der Welt. Nur Russland und England wehrten sich tapfer. Weil er die Seemacht England nicht angreifen konnte, entschloss er sich zum Russlandfeldzug, der seinen Untergang einläutete. Vorher verhängte er jedoch gegen England eine Kontinentalsperre. Das heißt, es konnten keine Waren exportiert oder importiert werden.

Dies war für die Pforzheimer Schmuckindustrie ein harter Schlag.Von ehemals über 30 blühenden Betrieben konnten gerade mal 13 Betriebe sich mit Müh und Not über Wasser halten.So herrschte 1812 wieder einmal bittere Not und Elend in Pforzheim. Man war ja in Pforzheim Raub, Brandschatzung und Vergewaltigung von den Franzosen unter Männern wie Melac gewohnt, aber dieses wirtschaftliche Elend war eine neue Form der Grausamkeit. Nicht nur die Pforzheimer hegten in ihrem Herzen einen bitteren Groll gegen die Franzosen und Napoleon.Da war der Sieg 1871 gegen Erzfeind Frankreich Balsam auf der geschundenen Seele.Wenn wir diese Tatsachen betrachten, können wir vielleicht unsere Vorfahren ein wenig besser verstehen.Auch wenn jeder Krieg ein Verbrechen gegen die Menschheit ist.

 

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Schleimi und das Kriegerdenkmal

 

Kriegerdenkmal MarktplatzKriegerdenkmal Marktplatz

He Schleimi! Was weißt Du eigentlich über das Kriegerdenkmal am Marktplatz?

Schleimi ist wie immer ein Quell der Erleuchtung.

Das Kriegerdenkmal heißt Kriegerdenkmal, weil ein Krieger auf einem Sockel steht.Da brauchst Du gar nicht so bommelig zu lachen! Auf dem Sockel stand ganz schlicht " Unseren Helden von 1870/71 " Auf der Sockelrückseite war eine Widmung vom Heimatdichter Ludwig Auerbach und die Ortsnamen der Schlachten, in denen sich die badischen Truppen erfolgreich hervorgetan haben. Also Straßburg, Nuits, Dijon und Belfort.

Der germanische Krieger blickt mit grimmigen Gesicht Richtung Westen nach Frankreich.Ursprünglich hätte ich für den Krieger Modell stehen sollen, aber Professor Moeß aus Karlsruhe behauptete, eine Kriegerfigur mit einer Schneckennudel in der Hand würde den künstlerischen Eindruck stören.Nun ja, schlussendlich wurde die Figur in Nürnberg gegossen und nach Pforzheim gebracht.Leider wurde ein Vorschlag verworfen. Der verwegene Germane sollte nämlich auf dem Marktplatz einen plätschernden Brunnen krönen. Aber man hatte ja kurz zuvor den Markgrafen-Brunnen schon an den Leo verbannt.Also entschied man sich für einen Sockel. Schade.

Jetzt muss man rückblickend sagen, dass so ein Kriegerdenkmal mitten auf dem Marktplatz ein wenig befremdlich wirkt. Es sollte ja für die Ewigkeit dort stehen. Dazu muss man verstehen, dass der gewonnene Krieg gegen Erzfeind Frankreich und das neugegründete Deutsche Reich mit Kaiser Wilhelm eine unglaubliche Euphorie auslöste. Endlich waren die vielen Kleinstaaten vereint und man wollte aus Deutschland eine Wirtschatskraft machen.Und das Kriegerdenkmal verkörperte diese

Kriegerdenkmal MarktplatzKriegerdenkmal Marktplatz

Hoffnungen, Darum wurde es an zentraler Stelle und exponiert aufgestellt.

Im Jahr 1873 wurde ein Komitee gebildet und eine Sammlung veranstaltet, um das Denkmal zu finanzieren.Wohl gemerkt. Das waren private Spenden! Die Stadt hatte mal wieder kein Geld für solche Vorhaben!

Aber erst am 18.Mai 1879 konnte der Germanenkrieger mit einem Festzug und allerhand Reden eingeweiht werden. Der offizielle Festakt wurde danach im Schwarzen Adler ausgiebig begossen. Das niedere Volk zog singend und jubelnd zum Turnplatz in die improvisierte Turnhalle und ließ es ordentlich krachen.

 

Und was geschah nun mit unserem grimmigen Germanenkrieger? Nun 1926 war die anfängliche Euphorie verflogen und der 1. Weltkrieg verloren. Weil der Schrumpelgermane der Straßenbahn im Weg stand, verfrachtete man den armen Kerl kurzerhand in den Benckiser Park. Dort stand er zwischen den Blumenrabatten etwas deplaziert herum. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Im 2.Weltkrieg wurde er geopfert und man stellte Granaten aus ihm her. Nun ja, wenn man überlegt, dass man in dieser traurigen Zeit auch Kirchenglocken eingeschmolzen hat, muss man anmerken, dass unser stolzer Germane zumindest seine kriegerische Existenz im Krieg beendet hat.

Die ersten beiden Fotos zeigen unseren Germanen auf dem Marktplatz. Foto 3 und 4 wurden im Benckiser Park gemacht.

Sollte Euch dieser kleine Beitrag zu flapsig erscheinen,kann ich es nicht ändern. Ich schreibe lediglich nieder, was mir der zeitreisende Kobold Schleimi erzählt.

 

 

 

 

 

Kriegerdenkmal Benckiser ParkKriegerdenkmal Benckiser Park

Kriegerdenkmal Benckiser ParkKriegerdenkmal Benckiser Park

 

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Schleimi erinnert sich !

 

Hier habe ich ein begehrtes Sammlerstück. Ein Brot-Etui der Pforzheimer Firma Ernst Keller. Es soll uns daran erinnern, wie knapp die Grund-Lebensmittel schon im Jahr 1915 waren. hundert Jahre vorher. Am 11. April 1815 brach auf der Insel Sumbawa ( Sunda-Inseln in Indonesien ) der Vulkan Tambora aus.Die Folge war eine weltweite Klimakatastrophe. Indien wurde überschwemmt. In China waren alle Felder unter Wasser. die Ernte fiel komplett aus und es starben Millionen an Hunger und Cholera. Über Pakistan breitete sich die Cholera auch im Westen aus. Ca. 12% der Menschen starben daran. die Temperaturen sanken im Durchschnitt um 10 Grad. Im Mai und Juni lagen in Amerika 15 Zentimeter Schnee! Am härtesten traf die Klimakatastrophe Süddeutschland und die Schweiz. Monatelang permanenter Regen, Hagelschauer, Orkane. 1816 war das Jahr ohne Sommer und ohne Brot! Ein einfacher Arbeiter musste 5 Tage lang für einen Laib Brot arbeiten. Millionen verhungerten. Es war die letzte große Hungersnot in Europa. Aber sie machte auch erfinderisch, wie ich demnächst mit der Unterstützung von Schelmi und Schleimi beweisen werde.Die Beiden haben mir so manche unglaubliche Geschichte aus dieser Zeit erzählt. Zurück zu meinem Brot-Etui. 1915 war das zweite Jahr im ersten Weltkrieg und natürlich wurden die Ressourcen knapp. Da solltee das Etui daran erinnern, dass es noch schlimmer kommen kann. Vielleicht wäre es nicht schlecht in der heutigen Zeit so ein Brot-Mahn-Etui wieder herzustellen. Darüber sollten wir bei Gelegenheit nachdenken.

Bemerkung von Schelmi " Angefangen hat eigentlich alles damit, dass so ein kleiner Vulkan am Arsch der Welt ausgebrochen ist. Das könnte heute jederzeit wieder passieren!"

 

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Schleimi berichtet über die alten Stadtteile im Norden der Stadt

Teil 1

GüterstraßeGüterstraße

Der Einstieg fällt mir ungewöhnlich schwer, denn Schleimi plappert ohne Punkt und Komma. Da ist es ziemlich schwer einen Anfang zu finden.Ich fange einfach mal an und dann sehen wir, was dabei herauskommt.

Das Gebiet nördlich der Bahnlinie wurde früher einfach " Hinter den Zäunen " genannt.Dort hatten die Pforzheimer ihre Gärten.Vom Hachel herunter führte ein Hohlweg, dessen Fortsetzung die spätereLindenstraße war.Dann gab es noch die Brettener Straße, die logischerweise nach Bretten führte. Von ihr ging der Vincinalweg ( die spätere Zähringer Allee ab.) Vom Vincinalweg zweigte der Hohlweg ( die spätere Bernhardstraße ) nach Eisingen ab. Also beim Cafe am Tor und Felsenkeller vorbei. Wo sich heute die Ebersteinstraße befindet, war ein enger Trampelpfad, der zum heutigen Zähringer Löwen führte und in den Vincinalweg mündete.Natürlich gab es auch noch die Güterstraße beim Württembergischen Güterbahnhof. Hier entstanden mit die ersten neuen Mietshäuser. Darunter auch die Gastwirtschaft " Mürrle Glashalle" mit großen Sälen für Feiern und Versammlungen jeglicher Art..Später bekannt unter dem Namen "Gasthaus Victoria" Doch kommen wir nochmal auf die Brettener Straße zurück.Die führte schnurgerade und steil vom zukünftigen Hotel Hasenmayer hinab.Linker Hand gab es nur Weinberberge ( später Obere- und Untere Wingertweg) Dieser Weg hinab ins Tal war bei den Fuhrleuten gefürchtet.Wenn da der Karren ins Rutschen kam, konnte man nur noch beten. Aber im Winter war es eine beliebte Schlittenbahn und alljährlich brachen sich die Wagemutigen ein paar Knochen. Endlich entschloß man sich zum Bau einer Kreisstraße. Der heutigen Heinrich Wieland Allee.Nun waren endgültig die Voraussetzungen für eine intensive Besiedlung " Hinter den Zäunen" geschaffen. Und jetzt ging es ratzfatz. Die Nordstadt und der Wartberg explodierten geradezu.

Mit Explosionen und Spekulationen und der Gemarkung Schanz hat mein Teil 2 zu tun.Achja, wir schreiben über die Jahre 1870-1875.

Ich gebe zu, dass mein Teil 1 der Schleimi-Erzählung ein wenig schwierig ist, aber nur so kann man sich vielleicht die Gegend der kommenden Geschichten ein wenig im Geist vorstellen.Und ich gelobe feierlich.

" Ab jetzt wird es einfacher und leichter zu lesen.Und natürlich habe ich auch mehr Bildmaterial."

GüterstraßeGüterstraße

 

 

Teil 2

 

Luitgartstraße Foto von 1931Luitgartstraße Foto von 1931

 

 Die Luitgardstraße hieß eigentlich ursprünglich Schützensträßle.Öffne deine Ohren und lausche den Perlen meiner Weisheit. 1863 mussten wegen dem steigenden Verkehr die Schützengesellschaft ihr Schützenhaus in der Bleichstraße ( Schießhausstraße ) aufgeben.Zum Glück gab es aber auf der Schanz genügend freies Gelände und so baute man kurz entschlossen eine neue, ausgedehnte Schießanlage mit Kugelfängen auf der Schanz. Bei der Einweihung sagte der Vorstand " Was wir hier geschaffen haben, soll auch zum Nutzen unserer Nachkommen dienen!" Nun ja, da hatte er recht! Denn sie pflanzten die vielen Kastanienbäume unterhalb vom Friedhof und die dienen heute noch unseren Kindern.Doch die neue Schießanlage von 1863 hatte keine rosige Zukunft. 

 1875 kaufte ein Immobilienspekulant namens Hildenbrand Gelände am Hachelgebiet und stellte die uns bekannten 5 Hachelhäuser hin.Aber er war seiner Zeit weit voraus. Nach dem Frankreichkrieg 1871 und dem neu erstandenen Deutschen Reich wurde erstmal die Kaiser Wilhelm Straße, Bismarckstraße, Roonstraße und fie Blumentalstraße gebaut und besiedelt. Und so standen die 5 Häuser noch lange einsam in der Gartenlandschaft.Eigentlich tolle Wohnbedingungen ( wie der Opa von Wolfgang Trautz bestätigen könnte ) Wenn, ja wenn da nicht die Pforzheimer Schützengesellschaft gewesen wäre. Die Jungs ballerten nämlich wild in der Gegend herum und des öfteren verirrten sich Querschläger in die Nähe der Häuser. Das ging natürlich nicht und so wurde die Schützengesellschaft von der Schanz verbannt.Nach fast 20 Jahren fanden sie 1905 auf dem Rod eine neue Heimat. Aber auch von dort wurden die Ballermänner verbannt. Und zwar in ihre vorerst endgültige Heimat an der Wurmberger Straße.Übrigens sind unsere Pforzheimer Schützen mittlerweile sehr treffsicher und heimsen auch bei internationalen Wettbewerben ihre Medaillen ein.

Links die Emil Strauß Straße und HachelhäuserLinks die Emil Strauß Straße und Hachelhäuser

 

Kaiser Wilhelm, Bismarckstraße und rechts oben vier der Hachelhäuser. Foto von 1931Kaiser Wilhelm, Bismarckstraße und rechts oben vier der Hachelhäuser. Foto von 1931

Dieser Beitrag von Schleimi war wie versprochen kurzweilig und mir hat besonders gut die Stelle mit den Kastanienbäumen gefallen. Im 3. Teil will der banzige Schleimi erzählen, wie die TGS Pforzheim am Hachel entstanden ist und von Bandenkriegen mit Tomaten- und Bohnenstangen erzählen.

 

Teil 3

 

Der Hachelhang mit Blick auf die Stadt.Der Hachelhang mit Blick auf die Stadt.

Die Besiedlung am Hachel machte große Fortschritte. Natürlich gab es noch den kargen Hachelhang und die entlegenen Gärten. Aber die waren so ein Problem.Die Hachelbewohner stammten meistens aus der Arbeiterklasse und die hatten viele Kinder.Wenn jetzt so ein Innen-Stadtbewohner seinen gekauften Garten hegte und pflegte ( das war bei dem steinigen, unfruchtbaren Boden gar nicht so leicht ) hatte er automatisch immer viele ungebetenen Mitesser. Die Kirschen aus Nachbars Garten schmecken halt immer gut! Man konnte seinen kleinen Obst- und Gemüsegarten ja nicht Tag und Nacht bewachen. Die Arbeiterfamilien waren arm, kinderreich und über jede Ergänzung im Speiseplan froh. Der Heimatkundler Oskar Trost beschreibt das in etwa so. Sein Opa war im Garten, als eine Mutter mit ihren 5 Plagen auf den Garten zuging. Alle hatten entweder Spankörble oder andere, geeignete Behältnisse dabei. Als die Mutter den Opa erblickte, sagte sie hurtig und verlegen " So Kinder, jetzt erzähle ich Euch die Geschichte vom Rotkäppchen." Doch ihr Kleinster greinte " Aber Mama, Du hast uns doch Hansträuble versprochen. Und guck! Die sind doch schon richtig reif!" Wie gesagt. An freiwilligen Erntehelfern mangelte es in den Hachelgärten nicht .Doch eine andere Begleiterscheinung der vielen Kinder und unbeschäftigten Jugendlichen gab Grund zur Besorgnis.Tagsüber war der Hachel ein ideales Spielparadies für Kinder aus Brötzingen, dem Wartberg und der Durlacher Straße. Da wurde eifrig Räuber und Gendarm gespielt. Aber sobald die Dämmerung hereinbrach, übernahmen die Jugendlichen das Kommando. Da wurde mit den aus den Gärten gemopsten Bohnenstangen fast richtige Schlachten ausgetragen, bei denen es wiederholt zu Verletzungen kam. Das altbekannte Problem. Jugendliche ohne Aufgabe, in ihrer Sturm und Drangzeit, dazu jede Menge Blödsinn im Kopf.Was tun?

Das Vereinsheim der TG 88 wird im Schlupf ( Wilferdinger Höhe ) gebaut.Das Vereinsheim der TG 88 wird im Schlupf ( Wilferdinger Höhe ) gebaut.

Die Alten beratschlagten und schnell war klar. Die Jugendlichen brauchen eine Aufgabe, ein Ziel und sollen dabei ihre überschüssige Kraft sinnvoll einsetzen.Also wurden neben dem bestehendenTV 1834 ( hauptsächlich Akademiker ) Arbeitersportvereine gegründet. Brötzingen machte 1880 den Anfang, Es folgte die TG 88 im Schlupf und ab 1895 gehörte der Hachel der TGS Pforzheim.Die Vereinsgründungen waren ein voller Erfolg. Am Beispiel der TGS will ich Euch das mal verklickern.In der Gaststätte Petersburg trafen sich seit Jahren die Arbeiter zum geselligen Beisammensein und zur Liederstunde. Als jetzt ein Verein mit Sportabteilung gegründet wurde, kamen allein in den ersten 2 Jahren über 200 Sportler dazu. Die Jugendlichen waren beschäftigt, hatten eine Aufgabe und konnten sich im sportlichen Wettkampf mit den anderen Stadtteilen messen.Eine tolle Sache, schon recht schnell begeisterten sich auch die Frauen an der Freizeitbeschäftigung Sport.Anfangs nur die emanzipierten Arbeiterfrauen, aber wie ein Flächenbrand war diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Die TGS Pforzheim hatte zum Beispiel 1920 schon eine erfolgreiche Damen-Handballmannschaft und eine meiner Großtanten war ein begnadetes Talent.Wahrscheinlich hat sie mir die Leidenschaft für den Handballsport vererbt.

Die ehrwürdigen Gründerväter des TV Brötzingen 1880Die ehrwürdigen Gründerväter des TV Brötzingen 1880

 

Die TGS Pforzheim-Sportler bei einer " Strandparty" auf dem Hachel.Die TGS Pforzheim-Sportler bei einer " Strandparty" auf dem Hachel.

 

Die Handball-Damen der TGSDie Handball-Damen der TGS

 

Brötzinger Turnplatz 1930Brötzinger Turnplatz 1930

Am Ende von Schleimis Erzählung möchte ich hinzufügen, dass der Bau der Vereinsheime in Eigeniniative geschah und wie heute ohne Ehrenamtliche nicht möglich gewesen wäre.

Die Erklärung der Fotos werde ich zu den Bildern schreiben. Mit einem "frisch, fromm, fröhlich,frei" wünsche ich Euch einen schönen Freitag und vielleicht ein sportliches Wochenende.

 

Teil 4

NordstadtNordstadt

Der Hachel wird Naherholungsgebiet!

Auf der Karte im Eingangsbild sieht man, dass wir noch sehr viele unbebaute Straßen in der Nordstadt hatten. Doch das sollte sich ändern. Die jugendlichen Rabauken tobten sich in den Sportvereinen aus und so wurde aus dem nördlichen Hachel eine friedliche, stille Gegend mit einem herrlichen Blick über die Stadt.

 

 

 

 

 

Der Pforzheimer Verschönerungsverein stellte 1904 das Hachel-Türmle fertig und der Kutscherweg wurde 1913 in Panoramastraße umbenannt.

Hier sieht man gut, wie karg und steinig der Hachel war.Hier sieht man gut, wie karg und steinig der Hachel war.

 

HachelturmHachelturm

 

HachelturmHachelturm

 

HachelturmHachelturm

 

Die Mädels der Höheren Tochterschule beim Ringelreihe auf der Maiwiese am Hachel.Die Mädels der Höheren Tochterschule beim Ringelreihe auf der Maiwiese am Hachel.

Die Privat-Vorschulen Winther und Schifferdecker, aber auch das Höhere Töchterinstitut machte seine Kurz-Ausflüge in die luftige Höhe und die Hachelwiese wurde offiziell zur Maiwiese ( neben dem Seehaus ) erklärt. Das war ein Kinder- und Familienparadies und am Abend konnte man sich sogar ungestört beim romantischen Knutschbänkle treffen.

Schleimine wartet am Hachel-Knutschbänkle voller Vorfreude auf den banzigen Schleimi.Schleimine wartet am Hachel-Knutschbänkle voller Vorfreude auf den banzigen Schleimi.

 

Bär Moritz kriegt ein LeckerliBär Moritz kriegt ein Leckerli

Und wenn die Kinder quengelig waren, konnten sie im Zoo gegenüber vom Hachelturm auf dem Kamel Max reiten. Der Zoo hatte viele exotische, aber auch heimische Tiere.Diese geniale Idee hatte der Unternehmer Kern und es war ein kleiner, perfekter Wildpark. Leider kam der 1. Weltkrieg mit den harten Hungerjahren und so musste dieser Privat-Zoo geschlossen werden. Aber es gibt eine Anekdote über den Bären Moritz. Als dieser im Käfig beim Güterbahnhof angeliefert wurde, konnte er ausbüchsen.Ziellos streifte er durch die Nordstadt und wurde schließlich bei der Firma Wolff in der Hohenzollernstraße hinter ein paar Holzkisten entdeckt. Das arme Tier war wegen der fremden Umgebung verschreckt und zitterte an ganzen Körper. Aber angeblich wurde es von dem heldenhaften Schleimi mit einer Schneckennudel gefüttert. Verbürgt ist. Das beruhigte Tier lief folgsam mit seinem Pfleger den Berg hinauf und auf der Panorama Straße zu seiner Heimat Zoo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Panorama Straße wurde 1933 in Adolf-Hitler-Alle umgetauft. Natürlich hat man für den Namen die schönste Straße in Pforzheim genommen. Nun ja, die Ehre war zum Glück von kurzer Dauer. 1945 wurde sie in Hachel Allee umgetauft. Bei meinem Opa ( SPD) hieß sie noch lange danach Bachel Allee.

Das Hachelgebiet bot Platz für Wohnungen der bürgerlichen Mittelschicht. Aber die Hachel Allee war den Reichen vorbehalten. Sie bauten hier prächtige Häuser und Villen. Im Foto sehen wir als Beispiel das Wochenendhaus von Juvelier Rothschild.

Das ehemalige Wochenendhaus Rothschild in der Hachel Allee.
Das Haus steht an der Einmündung des Gaisäckerweges in die HachelalleeDas ehemalige Wochenendhaus Rothschild in der Hachel Allee. Das Haus steht an der Einmündung des Gaisäckerweges in die Hachelallee

 

Im nächsten Teil erfahren wir von Schleimi noch einige Sächelchen über den Friedhof auf der Schanz, bevor wir einen kleinen Sprung zur Freilicht-Bühne am Wartberg machen.

 

Teil 5

 Karte von ca. 1920-1925Karte von ca. 1920-1925

 

 Heute kommen wir zu einem der schönsten Waldfriedhöfe von Deutschland.Klar! Den haben wir. Da haben die Stadträte mit der Stadtgärtnerei Großartiges geleistet. Aber sie haben ja auch endlich mal rechtzeitig reagiert und den Friedhof vom Oststadtpark auf die Schanz verlegt.Klar gab es auch Anfangsschwierigkeiten. Der Friedhof war noch um ein gutes Drittel kleiner. Wenn man 1877 auf den Friedhof wollte, konnte man dies über die spätere Hachel Alle machen. Das hatte den Nachteil, dass man durch ausgedehnte Kornfelder latschen musste und schließlich an einem kleinen verrosteten Törle auf den Fr

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