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Kobold Schleimi erzählt Geschichte und Geschichten aus Pforze: 

 

 

 

 

Aus der Pforzheimer Stadtchronik 1945 Teil 5.

 

Zerstörte stadteigene und staatseigene Gebäude nach dem Luftangriff am 23. Februar 1945.

In der Innenstadt blieb lediglich der Milchhof in der Erbprinzenstraße und das Gefängnis in der Rohrstraße erhalten.

Der Bahnhof, das Postamt, Gesundheitsamt, Polizeidirektion, Landratsamt, Zollamt, Forstamt, Arbeitsamt, Amtsgericht, Finanzamt, Reichsbank und das Straßenbauamt waren Vergangenheit. Um nur die größten Gebäude zu nennen.
Natürlich war auch das 1893-1895 erbaute und 1910-1911 erweiterte Rathaus eine Ruine.

Von den Schulen waren die Schwarzwaldschule, Calwerschule, Goldschmiedeschule und beide Gewerbeschule ganz vernichtet.
Sehr beschädigt und fast völlig ausgebrannt waren die Nordstadtschule, die Brötzinger Schule, Osterfeldschule, Klingschule, Holzgartenschule, Oberrealschule, Hildaschule, Handelsschule und das Gymnasium.

Von den Krankenhäusern blieb das St. Trudpert unversehrt. Das Städtische Krankenhaus wies sehr schwere Schäden auf. Von den 24 Gebäuden waren 17 vollständig zerstört, die übrigen mehr oder weniger stark beschädigt. Das Krankenhaus Siloah war größtenteils vernichtet. Das Altersheim war noch intakt. Da dieses Gebäude jedoch für die Innere Abteilung vom Städtischen Krankenhaus benötigt wurde, brachte man die Insassen nach Monbach.

Kirchen. Die Evang. Kirchengemeinde bestand aus 14 Pfarreien. Nach dem Großangriff waren 5 Pfarreien vollständig erloschen. Altstadtpfarrei, Mittelpfarrei, Sedanpfarrei, die West- und Südpfarrei. Zerstört war die Stadtkirche, Schloßkirche und Altstadtkirche. Sämtliche Gemeindehäuser, Gemeindesäle und Pfarrhäuser waren Ruinen. Die Kirche in Dillweißenstein war ja schon am 25. Dezember 1944 getroffen worden. Die Christuskirche in Brötzingen war abgedeckt.
Bei den katholischen Gemeinden war die Barfüßerkirche vollständig, die Franziskus- und Herz Jesu Kirche teilweise zerstört. Erhalten blieb die Antonius Kirche und in Dillweißenstein die Liebfrauenkirche.
Beide Konfessionen konnten Sondergottesdienste in der Antonius Kirche abhalten. Auch die Hauskapelle im Krankenhaus St. Trudpert wurde zur Verfügung gestellt. In der Krypta der Herz Jesu Kirche wurden Not-Gottesdienste abgehalten. Die altkatholische kleine Kirche im Waisenhaus wurde vollkommen zerstört. Andere Religionsgemeinschaften hielten kleine Gottesdienste in Wohnzimmern ab.

Brücken
Die Goethe-Brücke wurde voll getroffen und stürzte ein. Auch die Nordstadtüberführung ( Brücke ) bekam wieder einige Volltreffer ab.

Straßenbahn
Wenn auch die Wagenhalle erhalten blieb, so hatten doch die 54 Motor- und Anhängewagen mehr oder weniger stark gelitten. Das Hauptproblem waren die zertörten Oberleitungen. Von den vor dem 23. Februar befahrenen drei Linien mit einer 12,8 Kilometer Fahrstrecke wurden 10,2 Kilometer Oberleitungslänge und ein großer Teil der Gleisanlagen zerstört. Lediglich die kleine Waldstrecke vom Kupferhammer bis Dillweißenstein war nur leicht beschädigt. Aber das nützte auch nicht viel, da der benötigte Strom fehlte.

In der nächsten Folge werde ich von den Interimslösungen der Stadtverwaltung berichten.
Ich habe mit Schleimis Hilfe versucht, die interessantesten Fakten herauszusuchen.

 

 

Aus der Pforzheimer Stadtchronik 1945 Teil 6.

  Nach dem Luftangriff und der Zerstörung der Amtsgebäude zog die Verwaltung um

Hauptverwaltung und Personalabteilung Rathaus Brötzingen.
Ernährungs- und Wirtschaftsamt Schule Dillweißenstein und im Lindensaal in Brötzingen.

Fahrbereitschaft Karolingerstraße 30

Familienunterhalt Westliche 215 ( Wagenhalle )

Feuerwehr Grashofallee 7

Gemeindegericht und Jugendamt Frankstraße 79

Stadtkämmerei Hinterhaus Brötzinger Rathaus

Stadtkasse Rathaus Dillweißenstein

Standesamt Rathaus Brötzingen.

Wohlfahrtsamt Frankstraße 79

Wohnungsstelle Westliche 293 ( Wirtschaft zum Kranz )

Ich habe nur die wichtigsten Ämter aufgeführt.

Am Ostermontag 2. April 1945 erfolgte ein Luftangriff auf Brötzingen. Darum zog die Hauptverwaltung in die Friedenstraße 102 um. Kreisleiter Knab verlangte jedoch, dass die Hauptverwaltung in das Rathaus Dillweißenstein umzog. Er selbst hatte Quartier in den sicheren Luftschutzstollen der Papierfabrik bezogen.

Zum Thema Standesamt.

In diesem Amt wird das Familienregister geführt. Also auch Geburten und Todesfälle. Zum Glück werden hier immer Zweitschriften angefertigt. Die wurden rechtzeitig dem hiesigen Amtsgericht übergeben. Die Zweitschriften 1938 und älter waren nach Eppingen ausgelagert worden. Die jüngeren Zweitschriften bis 1945 waren im Keller des Bohnenberger Schlössle untergebracht und konnten gerettet werden. Nach dem Luftangriff vom 2. April 1945 auf Brötzingen verließ man das Rathaus und zog in die Hohenzollernstraße 69 um.

Die im Keller in der Hildaschule untergebrachten 30% der städtischen Archivalien mit Reuchlinbibliothek, Schätze des Reuchlinmuseums und die städtische Bildersammlung verbrannten unwiderruflich. Zumindest die im Enzkraftwerk untergebrachten historischen Bücher und Dokumente blieben erhalten.

Banken.

Die Banken eröffneten Zahlstellen in den erhaltenen Stadtteilen.

Reichsbank Ersingerstraße 7
Deutsche Bank Kelterstraße 62 ( Wirtschaft Maihäldenhof )

Volksbank Westliche 273

Sparkasse in Niefern und im Arlinger. Außerdem in der Wirtschaft Hoheneck und im Cafe Davos.

Am 31. März trat auch in Pforzheim eine Anordnung des Gauleiters Robert Wagner in Kraft. In einem letzten, wahnsinnigen Aufbäumen konnten von den Kreisleitern der Städte Standgerichte gebildet werden. Todesstrafe gab es zum Beispiel, wenn man beim Heranrücken des Feindes die weiße Fahne zeigte. Da wollte der eifrige Kreisleiter Knab gleich seine neue Macht ausprobieren. Am 23. März 1945 war ein auswärts wohnender Mann wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung von der Geheimen Staatspolizei verhaftet worden. Kreisleiter Knab forderte den sofortigen Vollzug der Todesstrafe. Aber den beiden Gerichtsbeamten gelang es, die von ihnen als notwendig bezeichnete Zeugenbefragung zu verschleppen und die Exekution bis zum Einmarsch der alliierten Truppen zu verzögern. Wahre Helden.

In den nächsten Folgen lesen wir auf der Facebook-Seite PfiB e.V über den unsinnigen, sinnlosen Kampf um Pforzheim und den Befehl " verbrannte Erde"

Noch einmal vielen Dank an Dagmar Janus und den fleißigen Schleimi, der bei diesen traurigen Berichten ungewohnt ernsthaft zu den Beiträgen beigetragen hat.

 

 

 

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